Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 15. August 1927 (Budapest, Ansichtskarte)


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Budapest, 15. August 1927.
Mein innig Geliebtes! Die Karte aus Wien kam nicht mehr in den Kasten, weil ich schon sehr früh fortmußte. Ließ mich noch an den Ruinen des Justizpalastes vorüberfahren. Der große Dampfer (der bis Rumänien geht) war des Sonntags wegen sehr besetzt. Ein internationales Volk mit 6–7 Sprachen, sehr viel Juden natürlich. Die Fahrt ist im ganzen landschaftlich recht lohnend, könnte erholend gewesen sein, wenn sie sich nicht durch 2 Std. Verspätung auf 14 Stunden erstreckt hätte u. wenn man nicht durch das furchtbare Gedränge der Revision etc. alles Gepäck allein schleppen müßte. Großen Eindruck machen die Burg Theben (Porta Hungaria) u. der umstehnd abgebildete Dom (an der Biegung der Donau nach Süden, meilenweit sichtbar = Gran) Eine ländliche Prozession von Hunderten stieg auf das Schiff u. brachte buntes Leben. Herrlich war dann in der Dunkelheit die Einfahrt in Budapest, Vollmond, Feuer an den Ufern, die der <li. Rand> Kapitän mit Scheinwerfern beleuchtete. Überall sommerliches Leben.
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| <am Kartenrand rund um die Ansicht des Doms von Esztergom> <Kopf> Besichtigung von Budapest muß ich heut wegen großer Schwüle u. um Kraft <li. Rand> zu sparen, einschränken. Habe keinen Schlaf<Fuß>wagen, fahre von 5 heut bis morgen <re. Rand> 11 vorm. Herzl. Grüße Dein Eduard.