Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. November 1927 (Berlin)


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16.11.27.
Mein innig Geliebtes!
Am Freitag soll nun der Kaufvertrag notariell festgemacht werden. Ich habe Dir auf dem beiliegenden Blatt, das ich nach Abschrift zurückerbitte, eine Aufstellung gemacht, die auf das Ungünstigste abgestimmt ist. Leider ist es nicht gelungen, den Kaufpreis herunterzudrücken. Aber von der "Katze im Sack" ist nicht die Rede. Denn mit Hilfe eines von mir honorierten Architekten ist mit dem Erbauer ein Bauausführungvertrag festgelegt, der bis in die Millimeterstärke der zu verwendenden Hölzer geht, und die Ausführung wird von dem genannten Vertrauensmann vor jedesmaliger Ratenzahlung nachgeprüft. Natürlich ist es da nicht ohne Kämpfe um Einzelheiten (vor allem den Balken) abgegangen. Schwierigkeiten werden bestimmt nicht ausbleiben. Aber das Motiv ist dies: Kaufe ich den Rohbau für 40000 M, so habe ich nur davon 5% Grunderwerbssteuer zu zahlen: = 2000 M. Kaufe ich das fertige Haus, so macht diese Steuer 4250 M. Also im schlechten Falle habe ich immer noch 2250 M hineinzubauen, wenn die Ausführung irgendwo zu wünschen übrig ließe, was aber nach den viele
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| Seiten umfassenden Abmachungen nur noch Minimalstes betreffen könnte. Selbst der Preis der Tapeten ist festgelegt.
Wichtig ist mir nur, Dir folgendes mitzuteilen: Angenommen, daß mich inzwischen der Bogen des Apollo träfe, so ist der Barbestand meines Vermögens natürlich geschmälert. Es ist dann ratsam, in meinen Vertrag als Erbin einzutreten und alles fertigzumachen. Das Objekt ist bestimmt leicht für 100000 M weiter zu verkaufen, obwohl 85000 nicht billig sein soll. Aber die Lage ist hervorragend für Wiederverkauf. Über all diese Dinge ist im Zusammenhang Herr Bankbeamter Michels von der Dresdner Bank, Wilmersdorf, Hohenzollerndamm 197. Diese Notiz bitte ich ohne weitere Antwort zur Kenntnis zu nehmen.
Den Lageplan deute ich anbei nur sehr roh an:
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<Skizzen der Raumaufteilung der gekauften Villa, mit Erklärungen>
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Zu Weihnachten hoffe ich kommen zu können. Umzug im März geplant. Fertigstellung bis Ende Januar. Bis 1. April sind außer regelmäßigen Einkünften weitere 4000 M Honorar zu erwarten. Dann bleibt mir noch ein rechtlich gesicherter Anspruch auf ca 9000 M Lebensformen, die bereits gedruckt, aber noch nicht bezahlt sind.
Schrieb ich schon die tief schmerzliche Nachricht, daß Litts 2. Kind auch tuberkulös erkrankt ist? Ein furchtbarer Schlag für die Eltern. - In Neubabelsberg nimmt die Geisteskrankheit rapide zu. - Heut Nachmittag war Dora Thümmel hier. Auch ihre Gesundheit ist besorgniserregend.
Ich habe immens viel zu tun, zumal die Termine immer eingeschoben werden müssen. Meine Akademierede kommt schlecht unter Dach. Dann folgen andre Vorträge.
Verzeih wenn ich abbreche, und äußere bitte Deine Meinung zu meinem Entschluß, der mir nicht leicht geworden ist, der aber sein mußte. Eine neue Wohnung hätte, ohne mir zu gehören, im 1. Jahr schon 10000 M gekostet. Maiers u. andre suchen ja vergeblich. Innigste Grüße Dein Eduard.

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[] Wegen des neuen Forschungsinstitutes würde ich Gans vorschicken, zugleich aber Ernst fragen, auch wenn er emeritiert ist. Wenn Du so die Fühlung etwa zu Krehl gewinnen könntest, würde ich dann weiter mit ihm in Verbindung treten.
Neulich bekam ich einen sehr netten Brief von Eurem Ranke.

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<Aufstellung von Käthe Hadlich:>
Gesamtkosten 85000 M
Hiervon sind aufzubringen:
40000 M   sofort für Ankauf des Rohbaues
35000 M   in Raten je nach den Stadien der Fertigstellung
10000 M   Hypothek der Domäne Dahlem zu 8% liegen bereits auf dem Grundstück
u. müssen mit übernommen werden.
Außerdem:       2000 MGrunderwerbsteuer
ca. 1000 M Gebühren (reichlich gerechnet)
Notar
Eintragung v. Hypothek
Versicherungen, Zinsen
Gratifikationen
ca. 2000 M Umzug u. erste Einrichtung
     5000 M
Also im ganzen aufzubringen (ohne die Hypothek die auf Antrag in 2. Stelle rückt)
80000 M.
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Zur Deckung sind vorhanden:
1.)  45000 M festes Bankkonto
2.) 10000 M offenes Konto
3.) 11000 M Pfandbriefe zu 10%
4.)   5000 M fest in München
________ (Für laufendes sind am 2.I. 4600 M neue Einkünfte sicher.)
71000 M

Sollen Kosten 3 u. 4 geschont werden, so müsste eine erste Hypothek von 25000 M aufgenommen werden. (Das ergäbe 35000 M Gesamtbelastung die das Objekt gut verträgt. 20000 M würden aber auch ausreichen.)
Nehme ich den ungünstigsten Fall von 35000 M 1. u. 2 Hypothek zu 8%, so würde dies einen jährlichen Zinsaufwand von 2800 M ausmachen. Dazu kommen Grundsteuer u. andre Lasten von ca 800 M jährlich (keine Hauszinssteuer) = 3600 M. Entspricht einer [vor der Zeile] (1/5 des Gehalts) monatlichen Miete von 300 M (jetzt 125), dem steht entgegen der Zinsertrag aus 3) u. 4) von etwa 1400 M. Miete also 2200 M.
Nicht berücksichtig sind bisher:
1.) Anlage des Gartens
2.) Möbelanschaffungen
3.) die 2. Bedienung - (geht vom laufenden Gehalt)