Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 5. März 1927 (Heidelberg)


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Heidelberg. 5. März 1927
Mein liebes Herz!
Wenigstens einen kurzen Gruß muß ich diesem Päckchen doch beifügen. Er ist so warm wie die schöne Frühlingssonne, die uns jetzt täglich in die Fenster scheint. Heute - Sonnabend - wollen wir sie noch einmal zu einem kleinen Extravergnügen benutzen u. mit Meta Günther, die abends definitiv abreist, nach Neckarsteinach fahren. Sonst ist natürlich das Zeichnen jetzt Trumpf nach der langen Unregelmäßigkeit. Prof. Gans ist sehr gehobener Stimmung zurückgekehrt u. daher sehr höflich im Umgang. Möge es anhalten. - Seit das Semester mit all seinen Anregungen Schluß gemacht hat, kommt mir das Dasein recht langweilig vor. Denn die Probleme des Zimmervermietens sind ja wichtig, aber nicht fesselnd oder bildend! Übrigens ist jetzt im früheren Eßzimmer wieder eine Dauermieterin
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| (berufstätiges Fräulein) sodaß also die Sorge nur noch zur Hälfte besteht. Inzwischen finden sich beständig Teilnehmer bei unsern abreisenden Studentchen, die das Bett warm halten. Auch Wolfgang Scheibe, der mit einer Freundin jetzt - am Bodensee! ist, wird noch auf der Durchreise erscheinen.
Veranlaßt durch Erwähnungen des Benvenuto Cellini im Romain Rolland las ich ihn auch einmal, bin aber wenig erbaut von diesem knotigen, aufgeblasenen Menschen. Aber es gibt eine recht gute Vorstellung von dieser ungebändigten, von Kraft überschäumenden Zeit.
Bitte, gib mir doch die Adressen für die Zeit Deiner Reise, denn abgesehen davon, daß ich Dir vielleicht schreiben möchte, ist mirs auch so ein unheimliches Gefühl, wenn ich tagelang weiß, Du seiest einer Nachricht unerreichbar.
Aber meinen Gedanken bist Du das nie u. ich glaube auch, daß Du das immer fühlst. So laß Dich auch heute mit diesen kleinen Zeichen meiner Liebe innig grüßen!
Deine Käthe.

[li. Rand] Sage mir, welche Sorte Schokolade die beste ist, als Dauermarke!