Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. März 1927 (Heidelberg)


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Heidelberg. 12. März 1927.
Mein liebstes Herz,
eigentlich hatte ich Dir zum Gedenktag einen Gruß schicken wollen, da ich aber erst am 11. nachmittags die Kieler Adresse bekam, so ging das nicht mehr. Habe vielen Dank für den lieben "Akademiebericht", der mir endlich mal wieder Nachricht gab. Denn die Zeitrechnung meines Lebens ist doch nun mal nach Deinen Briefen eingestellt, u. da ist eben leider eine Periode der "langen Nächte"! – Am Bilde Deiner lieben Mutter stehen Schneeglöckchen, die ich gerade geschenkt bekam, draußen bei unsern Wirtsleuten nämlich, wo wir wegen des elektrischen Lichts verhandelten. Wir erfuhren, daß demnächst nicht nur unser Haus abgeputzt u. gestrichen wird! sondern daß auch unsre Straße einen
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| Schwemmkanal bekommt u. daß dann, wenn die Erde doch stockwerktief aufgerissen wird, auch die elektrische Leitung gelegt werden soll u. der Vorgarten fortkommt. Gemischte Aussichten, nicht wahr? – Umso ungetrübter, hoffe ich, soll es bei Dir sein. Möchtest Du alles nach Wunsch finden! Ich bin froh, daß Du für die rauhe Gegend in dieser frühen Jahreszeit doch leidliches Wetter zu haben scheinst. Kiel muß sehr schön sein. Kurt war s. Z. von dem Semester dort sehr entzückt. Und Du kennst es nicht von früher, sodaß Du den Abstand von damals nicht so bemerken wirst, wie vielmehr das Neue, das sich regt. – Werden wir in der Politik Bismarckische Weisheit Rußland gegenüber bewähren??
Nächste Woche werde ich nun doch wohl nach Frankfurt müssen, was ich so viel lieber damals getan hätte. Das Papier ist bald zu Ende u. ich habe auf dem Fahrplan gesehen, daß ich mit Sonntagskarte gerade noch Zeit genug habe, Sonnabend nachmittag in Frankfurt Besorgungen zu machen.
<Kopf>
Viel liebe Grüße u. Wünsche von Deiner Käthe.

[li. Rand, Fuß] Weißt Du eigentlich, warum diesmal am 25. ein Gruß von <Fuß> Susanne ausblieb?
[li. Rand S. 1] Ich habe heute nacht so amüsant u. charakteristisch von Dir u. den Berlinern geträumt!
[Fuß S. 1] Sonntag werden wir zur Trauermusik in die Hl. Geistkirche gehen.