Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 20. Mai 1927 (Heidelberg)


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Heidelberg. 20. Mai 1927.
Mein Liebstes,
habe Dank für Deinen treuen Bericht, auf den ich schon mit Sehnsucht wartete. Ich will auch heute möglichst kurz verfahren, um Dich Ärmsten nicht lange mit meinem Geschreibsel aufzuhalten. Denn es ist ja einfach furchtbar, wie Deine Tage wieder durchgejagt werden. Da ist es kein Wunder, wenn der bewußte Zustand sich wieder einstellt; es ist nur Übertragung der allgemeinen Hast auch auf dieses Organ.
Wie sehr mich das Mißbehagen bedrückt, das du im Verkehr mit den nächsten Freunden gerade jetzt empfindest, kann ich Dir gar nicht sagen. Ich möchte Dir so herzlich in den wenigen Stunden des persönlichen Umgangs frohe u. wohltuende Eindrücke wünschen, die den Sinn für ein Weilchen entspannen. Sehr will ich hoffen, daß Du mein Grübeln über Deine Beschwerde wegen mangelnder Teilnahme nicht auch als eine "Aussprache" aufgefaßt hast. Denn es war lediglich eine ernsthafte Besinnung, um den Grund der Sache zu finden u. vielleicht irgendwie vermeiden zu können. Denn daß ich - man kann wohl sagen - Tag u. Nacht eigentlich an nichts wahrhaft Anteil nehme als an Dir u. daß ich alles nur sehe durch Dich beeinflußt u. in Bezug auf Dich, das weiß ich. Vielleicht aber ist das alles so sehr ein Teil meines unmittelbaren Lebens, daß es keinen weiteren Ausdruck suchte. Dein Wirken fühle ich so tief u. sicher, als die Erfüllung dessen, was ich von dem Führer aus dieser verworrenen Zeit erhoffe, daß ich darüber ganz sicher bin; wenn ich in Einzelheiten, besonders in Bezug auf Personen, zuweilen Deiner Meinung nicht zustimmen kann, so empfinde ich es immer ganz besonders schmerzlich, wenn Du jede Diskussion mit einem diktatorischen Urteil abschneidest. Ich bleibe dann im Zwiespalt, denn trotz des inneren Widerspruchs wirkt Deine Meinung in mir fort u.
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|<ab hier fehlt der Rest des Briefes>