Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 2. Juli 1927 (Heidelberg)


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<aufgeklebt: vierblättriges Kleeblatt>
Heidelberg. 2. Juli 1927.
Mein liebstes Herz.
Vielleicht kommt dieser Gruß noch zum Sonntag bis Eisenach - wenn es auch wohl nur eine kleine Belästigung für meinen Liebling ist!! Ich habe tatsächlich heute gar nichts Wesentliches zu melden, nur wie so oft lauter Kleinkram. Vor allem habe Dank für Deine Karte, die mir nach langem Warten ein rechter Trost war. Und ebenso habe Dank für den Postabschnitt, der mir Deine immer so pünktliche Geldsendung übermittelte.
- Ob nun wohl endlich auch bei Euch die Wärme eingekehrt ist? Hier hat sie sich sogleich wieder mit Gewitterneigung verbunden, nur der Mittwoch war herrlich u. ihn benutzten wir zu einem Wege Schlierbach - Münchel - Schönau, da es der letzte Tag mit meiner Schwägerin war. Auch Dr. Günther hatte sich angeschlossen u. da von Schönau der Vorstand u. Hedwig per Auto u. Bahn heimkehrten, blieben wir beide zur Fußwanderung übrig u. gingen also wieder Münchel - Sitzbuche - Langer Kirschbaum, - Hochstraße - Weißer Stein - Philosophenweg bis nach Haus. Es ist ein wundervoller Weg - u. wir machten ihn in "unserm" Tempo in 3 ¾ Stunde. Dr. G.
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| ist mir ein recht angenehmer Bekannter, aber eigentümlich ist mir bei ihm das Bedürfnis, fortwährend von sich zu sprechen. Man hat das Gefühl, daß er beständig mit sich in Bedrängnis ist. - Von Jacobsen sah ich nur auf Augenblicke etwas. Er steckt sehr in studentischer Politik, die ja eben akut ist; außerdem bereiten die Studienstiftler ein Fest vor, bei dem er Theater spielen wird - er hat also keine Zeit. - Von Panzer wurde mir erzählt, daß er [über der Zeile] im Kolleg aus nationalen Gründen sehr abriet, eine italienische Operntruppe anzuhören u. daß er - abends selbst in der Vorstellung war. - - Eine Einladung zu Geheeb für ein Humboldtfest [über der Zeile] am 26. kam zu spät, sodaß ich absagte. Donnerstag kam früh um 7 ein Telegramm u. um 9 ein Brief, daß das Fest verschoben sei - im Brief auf Sonntag [über der Zeile] d. 3.VII., im Telegramm auf Donnerstag [über der Zeile] d. 30. - u. da mußte ich wieder absagen! - Die Arbeit fleckt, aber sie wird den ganzen Juli über noch drängen, dagegen mit dem August aussetzen.
- Vom Onkel dauernd etwas bessere Nachrichten, über die man sich um seinetwillen nicht so recht freuen kann.
Morgen also werden Dich meine Gedanken in Eisenach suchen, als König der Fröbelleute. Ich wünsche Dir innerlich befriedigte Tage u. äußerlich schönes Wetter u. Erholung. Denn es quält mich, Dich immer u. immer so gehetzt zu wissen. An dem Wege, den wir zu Neujahr über Glatteis entlang schlitterten, fand ich <li. Rand> ganz unversehends das kleine Vierblatt. Das soll Dir Gutes bringen, mein Lieb.
<Kopf>
Innige Grüße von Deiner Käthe.