Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 26. Juli 1927 (Heidelberg)


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Heidelberg. 26. Juli 1927.
Mein Liebstes.
Eigentlich wollte ich heute um ½ 7 aufstehen, um endlich einmal wieder nach Herzenslust an Dich schreiben zu können, aber ich war so totmüde, daß ich von ½ 9! - ½ 8 durchschlief. So nimm vorlieb mit dem kurzen Gruß, den ich - vor der Arbeit - nur schreiben kann. - Du hast mir mit Deinem lieben Brief, mit dem herrlichen Heilerziehungs-vortrag u. mit den mitgesandten Briefen eine große Freude gemacht. Ich schicke Dir die Drucksache heute oder morgen zurück. - Es ist eben doch allerlei Unruhe, auch wenn ein Besuch keine besonderen Ansprüche macht, aber da soll man spazieren gehen, dann ½ Tag nach Speyer, einen - Tanzabend über Ballmutter spielen, dann Tagestour über den weißen Main - Strahlenburg etc. etc.
Dabei hätte ich Dir so viel zu sagen, was mich ernstlich beschäftigt. Was könntest Du denn wohl "erfinden", mein
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| Herz, daß wir uns etwas ergiebig wiedersehen?
Allerdings möchte ich deswegen das Schreiben nicht einstellen, aber diese Woche noch geht es nicht; bis Sonnabend bleibt Anneliese, am Freitag abend kommt Susanne, heute will Günther noch einmal bei uns sein, Donnerstag höre ich Macbeth auf dem Schloß, - (morgen Anneliese den Sommernachtstraum) u. außerdem arbeiten wir mit Hochdruck an der Fertigstellung des Buches von Gans. Er hat erklärt, das müßten wir dann mit einer Bowle feiern!!
Ich amüsierte mich sehr darüber, als mich die Einladung von Jacobsen an Dein Wort erinnerte: "Daß Du aber den Jacobsen nicht zum Tanzen einladest!" - nun siehe da das Umgekehrte. Er hat übrigens in dem Stück einen Vagabunden mit vollendeter Meisterschaft gespielt.
Doch ich muß aufhören - aber ich denke unaufhörlich bei allem an Dich. Hoffentlich kann ich Dir bald wieder ein Zeichen davon geben.
Deine Käthe.

[li. Rand] Da Heinrich Maier in Tübingen war, bräuchtest Du wohl nicht hin?
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|<Beilage: Einladung der Heidelberger Studentenstiftung zu einem Gesellschaftsabend am 20.7.27>