Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. September 1927 (Heidelberg)


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Heidelberg. 27. Sept. 1927
Mein Liebstes,
heute morgen schon bekam ich Deine lieben Zeilen aus der Bahn, vom 26. datiert mit unerkennbarem Poststempel. Habe Dank für die liebe Nachricht, die mich mit der verlockenden Aussicht auf die "Abwechslung" sehr beglückte, wenn nicht gleichzeitig der Bericht von dem üblen Befinden darin gestanden hätte. Das scheint eine Herzschwäche gewesen zu sein, u. wäre wohl kein Wunder nach all den Strapazen, die Du aushieltest. Sorge Dir doch für ätherischen Baldrian, um einen solchen Zustand nicht wieder aufkommen zu lassen. Oder war der Katarrh schuld, der im Anzuge war? Du bringst jetzt öfter von dieser Gegend so etwas mit.
Ich möchte Dir heute nur sagen, wie mich die Aussicht auf Dein Kommen freut - wie auch immer die Fortsetzung in München sich gestaltet. Das
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| Befinden des Vorstandes scheint mir kein Hindernis. Sie ist ja nicht eigentlich "pflegebedürftig", nur Ruhe muß sie halten, u. hat sich jetzt notgedrungen daran gewöhnt, Bertha selbständiger gewähren zu lassen, was sehr gut gedeiht. Ich habe augenblicklich Arbeit im Pathologischen, was wohl mit dieser Woche beendet sein wird. Und bei Aenne ist die Schwägerin Anna, die ihr sehr angenehm ist. Nur abends bin ich unten.
Seit heute ist ein Gerüst am Haus, es wird sehr fein von außen sein wenn Du kommst, innen umso verwahrloster.
Ach, wie ich mich nach Dir sehne! Es ist doch immer wieder eine neue Sorge mit Dir, Du Unermüdlicher! Du hattest sicher in den 2 Regentagen garzu viel gearbeitet.
(Das Buch von Frl. Silber ist das von Paula Modersohn-Becker - sehr schön!) Der Neckar flutet dahin wie ein mächtiger Strom u. führt allerlei Schwemmgut mit sich. Ob das Wasser so weiter zunimmt?
<li. Rand> Grüße Susanne und das Silberchen herzlich, auch bei Frau Riehl, wenn Du rausgehst.
Dich grüßt in Liebe Deine Käthe.