Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Dezember 1927 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22. Dez. 1927.
Mein Liebstes,
wie gern würde ich Dir zum Weihnachtsfest Freude bereiten, - u. doch habe ich nur ein paar armselige Kleinigkeiten für Dich! Aber sie sind mit Liebe bereitet, von Liebe begleitet.
Ein Bäumchen - weil die Adventskränzchen keine Gnade fanden. Eine feste Ledertasche für die langen Cigarren, aber leider wohl nicht das Ideal. Ein wenig Schokolade u. ein Notizbüchlein - das ist alles. Aber gerade das Büchlein hat Dir Besonderes zu sagen. Die Blätter sind der Überschuß von einem Heft, in dem ich meine Aufzeichnungen vom Scholzschen Confirmationsunterricht aufschrieb. Den Einband machte ich gerade in den Tagen, als Du mir von Deiner Enttäuschung über Verständnislosigkeit schriebst. Ich hatte mir gedacht, Du möchtest das blaue Heftchen zu Notizen für Dein nächstes Buch benutzen,
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| u. nun schien es wie eine Vorbedeutung, daß ich Dir gerade diese zu religiösem Sinn bestimmten Blätter gab. Es ist, als hätte ich geahnt welch besonderem Zweck sie geweiht würden. Denn wenn ich auch in jedem Deiner Werke u. in all Deinem Wirken reinen u. höchsten Lebenssinn fühle, so ist dieses Buch, das sich gestalten will, doch ein besonderes; es ist der Pestalozzi in Dir. - Laß auch mich in der Stille dabei sein, so wie die blauen Buchstaben heimlich hinter den goldenen stehen.
Wie freue ich mich auf Dein Kommen. Hoffentlich bist Du bei der ungewöhnlichen Kälte gesund geblieben! Ich erwarte Dich mit Ungeduld u. verspare alle Mitteilungen aufs Reden. Heute will ich nur die Päckchen abschicken, ebenso klein, wie Dein Geschenk für mich groß ist. Das ist eben die ausgleichende Gerechtigkeit.
In weihnachtlicher Liebe
Deine
Käthe.