Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 20. Januar 1928 (Berlin)


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20.I.28.
Mein innig Geliebtes!
Nur 2 Worte! Die Explosion in Deiner Arbeitsstätte hat mich sehr erschreckt. Man ist doch immer von Gefahren umgeben. Gottlob, daß es so abging! - Und für den anderen Schuß, den Hexenschuß, wäre das Richtige ein Heizkissen. Damit vertreibe ich Ansätze dazu in einer Nacht. Kleine Leute, [zwischen den Zeilen] die nicht einmal einen Ofen haben, können sich so was leider nicht leisten.
Ich hatte am Sonntag eine sehr angenehme Besuchsstunde bei Herrn u. Frau v. Tirpitz. Tags darauf wurde ich - auf ihren Wunsch hin - von der Kaiserin empfangen. Wir sprachen über vieles, meist nicht Zentrales. Sie war in Trauer, die Züge sind sehr ernst, fast hart geworden. Ihr Wesen wie damals sehr freundlich. Mittwoch hielt Dessoir die Festrede. Die Akademieabhandlung habe ich schlecht und recht gestern in den Druck geschickt. Ich muß jetzt zu anderem. In der Hypotheken
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|angelegenheit u. beim Haus kein realer Fortschritt, aber Aussicht auf 10000 M zu - im Gesamteffekt: 10%.
Nächste Woche 5 Abende besetzt. Ich bin, wie üblich, durch vielerlei zersplittert. Auch heut ist es bunt. Daher nur diese Zeilen und viele innige Grüße, vor allem Wünsche für Dein Befinden.
Dein
Eduard.

Ich war inzwischen buchstäblich in Dolldorf, in Gesellschaft bei dem Georgianer u. Psychiater Hildebrandt, übrigens in recht übler Mesproche die Frau, Tochter des Salem-Reinhardt, war wohl die einzige Christin. - Einen Abend war der Stadtschulrat von Dresden, Hartnacke bei mir, ein angenehmer, mutiger Mann, der auch bei den Volksschullehrern nicht beliebt ist und eben mehr politisch selbständiges Denken hat, als Kerschensteiner u. Muthesius, die guten Alten.