Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2. Februar 1928 (Berlin/Wilmersdorf)


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<Stempel: Professor Spranger
Berlin-Wilmersdorf
Hohenzollerndamm 39>

2.2.28.
Mein innig Geliebtes!
Soeben kam Deine liebe Nachricht. - Der Schnupfen, der im Abklingen ist, stellt sich nachträglich als etwas Grippeartiges heraus, das mein Gesamtbefinden noch immer beeinträchtigt. Ich kann leider sehr wenig Rücksicht darauf nehmen. So mußte ich heut ganz früh auf den Neubau, wo sie jetzt - gewagter Weise - mit dem Außenputz anfangen. Ich konnte gerade noch verhindern, daß die mir sehr antipathische Okerfarbe dafür benutzt wurde. Der Eingang vor der Diele ist vollständig verbaut: zu niedrig geraten und ein Gewirr sich störender Türen: ich gebe sie in dem Quadrat, wenn sie geöffnet sind, punktiert an:
<Zeichnung: Quadrat, worin mit punktierten Linien die Türen angedeutet werden> <Beschriftung über/recht von/links von/unter dem Quadrat:> Kellertreppe. Diele. Außentreppe. Toilette.
Es wird sehr bald ein Umbau nötig werden: und zwar ein Ausbau. Ich verstehe mehr von Bauen als die Esels:
<Zeichnung eines gestrichelten Quadrates neben einem Quadrat wie oben, mit angedeuteter Eingangstür x und Treppe => <unter dem Quadrat:> Treppe.
Bei x muß dann die Eingangstür sein.
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Die Wände sind für meine Büchermassen immer noch zu spärlich. Ich bestelle in etwa 10 Tagen die Regale.
Eine sehr unangenehme Sache ist über mich gekommen: ich bin als Sachverständiger zu dem am 9.10.II. stattfindenden Schwurgerichtsprozeß gegen den Oberprimaner Krantz wegen Mordes bestellt. Morgen muß ich zum Staatsanwalt, Sonnabend wohl ins Untersuchungsgefängnis, um mit dem Angeklagten zu sprechen. Die Sitzung wird sehr aufregend werden. Man blickt bei der Affäre tief in den unsagbaren Schlamm des heutigen Schüler- u. Schülerinnenlebens. Anklagen sollte man da ganz andere Leute.
Dora Ulisch (früher Elbing) hat ihren Mann zum 2. Mal verlassen. Beide Parteien wenden sich an mich um Rat und Hilfe.
Wo bleibt meine Arbeit? Ich bin für den 29.II noch sehr weit zurück. Frau R. hat sich an Bier wegen eines Arztes gewandt. Ich habe ihn durch Maiers kurz instruiert, so daß ein psychiatrisch Erfahrener gewählt wird. Mein Kopf ist voll von allerhand und dabei grippeartig affiziert. Für heut nur diese Mitteilungen. Moro habe ich also geschrieben (soeben), daß ich mich über seinen Entschluß <re. Rand> sehr freue. Viel innige Grüße
Dein Eduard.

[li. Rand] Frl. Droescher hat nach 8 Tagen mit einem ziemlich pikierten Brief geantwortet.