Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 15. Februar 1928 (Berlin, Postkarte)


[1]
|
<der Scan dieser Karte ist sehr undeutlich>
Mittagspause.   15.II.28  3 Uhr
M. L!  Der 5. Tag dieses aufregenden, aufreibenden u. an Zwischenfällen reichen Prozesses. Ich habe vor der Pause mit starkem Eindruck mein Gutachten erstattet – allerdings habe ich die besten Pointen weggelassen, weil ich ganz frei sprechen mußte. Unmittelbar danach legte der Verteidiger s. Amt nieder. Ein schwerer Neuropath. Wie es weitergeht u. wie lange – wer weiß. Jeden Tag von ½ 10–7 mit 1 stündiger Mittagspause im Gericht. Klarheit arbeitet sich heraus. Zu einer schweren Strafe wird es nicht kommen. Ob zur Freisprechung? Krantz hat durch Verhalten nach Haftentlassung manche Sympathie verloren. – Inzwischen Frau Riehl ins Sanatorium übergesiedelt. Wichtige Termine in der Haussache fallen natürlich auch gerade in diese Zeit. Ich bin recht erschöpft. Viel herzliche Grüße Dein Ed.