Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. Mai 1928 (Berlin, Postkarte)


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25.5.28.
M. L!  Wenn ich mit meinen Pfingstgrüßen zum 1. Feiertag bei Dir sein soll, son muß ich die Beantwortung Deiner lieben Briefe noch verschieben und mich für heut mit dieser Nachrichtenkarte begnügen. Hoffentlich hast Du Dich wieder etwas eingelebt und alle "Schäden" geheilt oder zu heilen begonnen. Wir heizen fast täglich. Auch fast täglich ist noch Überraschung. Der 2tägige Regenguß und ein Wolkenbruch haben Strasens wieder viel Nässe gebracht. Aber Str. ist ein Mann von Energie u. ich von Verstand, und das geht über Kr und Ko. Str. hat einen scheußlichen Graben ausgehoben und vorn in einem Lehmloch endigen lassen. Das hat fürs erste etwas geholfen. 2 solcher Gräben werden nun entweder mit Mauersteinen oder Röhren definitiv hergerichtet, u. dann kommt die ganze Suppe auf – die Straße. Herr Korte kommt wieder regelmäßig. Ein Faktor der Gasverschwendung scheint gefunden: die Luftzuführungsröhren werden nicht ordnungsmäßig gestellt. Seitdem
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| geht es maßvoller. Der Rest scheint in der Natur des Herdes zu liegen. Die Domäne hat den Vorrang nicht eingeräumt, muß also abgelöst werden. – Montag war ich bei Nieschling in Potsdam, sonst immer Dienst. Am meisten beschäftigt u. bedrückt hat mich natürlich der Ausgang der Wahlen. Beweis, daß wir noch lange nicht in der Gesundung sind. Sering hat gestern in der Akademie die wirtschaftl. Lage geradezu trostlos geschildert. Wir leben vom Pump und pumpen die Zinsen – daher die Scheinblüte. – Ferien werden außer Dienstag für mich nicht herauskommen. Ich werde Dich in diesen Feiertagen besonders vermissen. Viel herzliche Pfingstgrüße, auch an den Vorstand. Mögest Du <li. Rand> ein warmes Zimmer haben!
<re. Rand> Adelheid ist hier!!