Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. Juli 1928 (Berlin/Dahlem-Dorf)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

18.7.28.
Mein innig Geliebtes!
Am Montag (Paulsens 82. Geburtstag) waren Frau Grete Paulsen, Frl. Nohl und Dr. v. Waltershausen zum Kaffee bei mir. Nachher gingen wir noch ein bißchen in den Botanischen Garten. Unterdessen machte bei sichtlicher Gewitterneigung die Wingeleit oben einen so wahnsinnigen Zug, daß nicht nur das Bild herunterfiel, sondern auch der hübsche Kerbschnittkasten von Dir. Der Fall lehrt mancherlei: unter anderm, daß man seinen vernünftigen eignen Gedanken unbeirrt folgen soll und sich nicht beeinflussen lassen soll. Wenn das Bild Schaden leidet, ist es mir immer ein schwerer Schmerz. Ich bitte Dich: laß es noch einmal in Ordnung bringen, aber nun zum Anhängen einrichten.
Wir haben hier Tagelang glühende Hitze gehabt. Ich habe dabei ehrlich geschwitzt und bei der Arbeit gestöhnt, aber mich doch im ganzen
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| wohler als sonst dabei befunden. Seit gestern Abkühlung, aber sehr schön. Gestern habe ich 3 Stunden (mit Vorbereitung) zu reden gehabt. Ich habe dabei 100 M verdient, die ich zur Reise nach Blankenburg zu Volkelts 80. Geburtstag verwenden wollte (21.VII.) Das fällt nun aus, weil er keinen Besuch wünscht. Da ich für eine Wohltätigkeitssache 200 M brauche, ist für die Anlegung gesorgt. Auch in Neubabelsberg ist Geldbedarf. Die Unordnung in den finanziellen Angelegenheiten ist unbeschreiblich. Aber so viel kann ich doch ausrechnen, daß monatlich ohne Arzt, Reparaturen, splendid geladene Besuche u. Telegramme 150 M mehr verbraucht als eingenommen werden.
Susanne hat 1 Brief u. 2 Karten geschrieben. Etwas Inhaltärmeres läßt sich nicht leicht denken. Alles ist nur "schön".
Sonnabend war Willy Böhm 3 Stunden in aller Herzlichkeit bei mir. Sonntag bin ich tout seul losgegangen: Saatwinkel, Tegeler See mit lustigem Badetreiben, dann durch den dichten Wald bis Schulzendorf. Außerdem aber
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| habe ich in 2 Tagen 3 Dissertationen erledigt und fabelhaft viel anderes. Heut in 14 Tagen enden die Vorlesungen.
Mit dem Brief des Frl. Eylan habe ich mich eingehend beschäftigt. Die Handschrift ist sympathisch. Aber der Schlußeindruck ist doch etwas negativ. Für meine Zwecke scheint das Niveau zu hoch. Denn die Stellung der Frau Strasen ist nicht die der Aufwartefrau. Der Friede ist nicht so sicher gewährleistet. Die W. und Frau Strasen sind z. Z. schon auseinander. Frl. E. betont auch zu sehr, was sie nicht möchte und was sie für sich möchte. Was denkt sie, den ganzen Tag bei mir zu tun, wenn Geschirrabwaschen und Küchereinigen nicht zu ihren Funktionen gehört? Die Stellung zwischen Frau Strasen und der "neuen" muß wie bisher paritätisch bleiben, sonst gibt es Konflikte. Ich habe auch von vornherein Angst, wie groß die Geselligkeit sein darf, die ich mache. Vorläufig reicht das Geschirr etc. ja nur für 3 Gäste. Aber später kommt natürlich gerade große Geselligkeit, mit Stadtküche etc. Wenn ich jemand nehme, der doch nur als halbe Arbeitskraft gerechnet
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| sein will, dann ist die Frau Rohde [über der Zeile] (Memel) ebenso geeignet. Aber die erbetenen Nachrichten über diese habe ich noch nicht. Würdest Du nun vielleicht dem Frl. Eylan schreiben, sie könnte in der Dorotheenstr. 6 mit mir auf ihrer Durchreise zusammentreffen? Tag und Stunden müßte sie mir rechtzeitig angeben. Vorher aber werde ich ihr ganz klar schreiben, wie allein es für mich in Betracht kommt; denn hier hat ja schonende Beziehung keinen Zweck. Das gemeinsame Mittagessen paßt mir wenig, soll aber kein eigentlicher Hinderungsgrund sein.
Mein Brief ist wieder sehr einseitig und wie gewöhnlich keine "Antwort". Ich habe aber durch unerwarteten Besuch von Excellenz Lindemann 1½ Stunden verloren. Und das ist bei meinen gedrängten Programm heute nicht aufzuholen. Ich danke Dir "für alles" und grüße Dich innigst
als Dein
Eduard.