Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. Juli 1928 (Berlin)


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21.VII.28.
Mein innig Geliebtes!
Die letzten Tage waren so maßlos anstrengend, daß ich buchstäblich heut auf der Nase liege u. nicht einmal mehr Briefe schreiben kann. Donnerstag von ½ 9 früh bis ½ 12 nachts. Und nächste Woche wird es noch schlimmer. Ich kann einfach nicht mehr.
Zu sagen hätte ich heut nur, daß ich zu der Sache Eylan kein rechtes Zutrauen fassen kann. Ein Superintendenhaus ist so etwas anderes als mein Haushalt, daß das entschieden nicht gut geht. Es ist da irgend ein Instinktwiderstand. Ich habe also nicht ihr geschrieben, sondern der Frau Rohde. Vielleicht ist es falsch. Ich kann mir nun nicht helfen.
Hier sende ich Dir einen Teil meiner Geburtstagsbriefe, damit Du doch etwas von mir weißt. Die andern sind noch nicht beantwortet. Nächste Woche 12 Doktorprüfungen. Frl. Silber hat heut von ½ 9 - ½ 2 gearbeitet. Ich lese
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| nur noch Dissertationen, meist unreifes Zeug.
Frau Riehl bohrt um Geld. Ich habe aber keine Lust, was zu geben, da mindestens 10-12000 M verfügbares Geld da sind und "flüssiges Geld" nur zu unnötigen Ausgaben reizt. Was das immer für ein briefliches Hin- u. Her ist, läßt sich nicht schildern. Und es wird doch mit einem Mißklang enden.
Herzlichen Dank für die Karte <gestrichenes unleserliches Wort> vom Schützenhaus. Da aus Blankenburg nichts wurde, wollte ich eigentlich heut sonst hinaus. Ich bin aber zu schwach dazu. Auch werde ich dann für die nächste Woche nicht fertig.
Viele innige Grüße
Dein
Eduard.