Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. September 1928 (Berlin/Dahlem-Dorf)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

26.9.28.
Mein innig Geliebtes!
Für Deinen so warmen Brief innigen Dank. Als ich Montag Vormittag den Brief an Dich Frl. Silber mitgab, wusste ich noch nicht, daß Frau Riehl schon am Sonntag gegen 6 gestorben war. Um ½ 2 kam Alfred Krech und brachte mir den Brief von Adelheid. Um 4 war ich draußen. Heyses waren in der Nacht von Bremen gekommen; Lore schon am Sonntag spät.
Frau Riehl ist am Sonntag Mittag von ihrem Spezialarzt in der üblichen Weise an den Mandeln behandelt worden. Danach fühlte sie sich sehr matt. Sie verlangte dann ihre Suppe. Noch ehe sie kam, schlief sie sanft in den Armen der treuen Martha Knaack ein.
Mein liebes Herz, es ist so schrecklich. Ich habe gar keine Träne. Mir ist, als wäre das alles schon vor 3 Jahren geschehen.
Heute um 4 ist in der kleinen Kapelle in Glienicke die Trauerfeier. Auf
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| meinen Vorschlag hält Delekat die Rede. Die Leiche wird in Wilmersdorf verbrannt. Die Asche kommt auf den schönen Friedhof zu dem lieben Toten.
Natürlich waren diese Tage sehr unruhig. Adelheid ist tief getroffen. Lore wie stets voll stiller Heiterkeit. Hans hält sich tapfer. Martha Knaack ist ganz zusammengebrochen, und als ich Montag ihr dankte und von ihr Abschied nahm, hatte ich einen mich tief beunruhigenden Eindruck über ihren Zustand und ihr Verhältnis zu mir.
Morgen geht nun Frl. Wingeleit. Dann muß ich gleich mit Susanne die Einrichtung des Zimmers durch Ankäufe in der Stadt vervollständigen. Mein Darmzustand war gestern wieder subjektiv sehr schlecht. Objektiv ist es eben anscheinend ganz harmlos.
Ich habe eine Bitte, die Du vielleicht nach Erledigung der häuslichen Unruhe erfüllen kannst. Schreibe mir doch aus den Jahrbüchern der Goethegesellschaft die Titel derjenigen Abhandlungen mit Band u. Seitenumfang heraus, die auf Faust, speziell Teil 2 Bezug haben. Ich komme mit meinen Arbeiten
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| in größtes Gedränge, zumal ich schon am 13. nach Nürnberg abreisen muß. Im Notfall muß ich die Faustrede in Heidelberg fertig machen u. würde bemüht sein, vom 21. - 23. dort zu sein. Aber das ist noch ganz unbestimmt. Denn auch in München ist viel zu erledigen.
Mit Jahnke habe ich mich geeinigt.
Am Sonnabend kommt Frau Rohde. Es macht keinen hervorragenden Eindruck, daß das Reisegeld zurückkam und daß niemand ihre Adresse in diesen Tagen weiß.
Wenn Du Hermann siehst, grüße ihn bitte herzlichst von mir. Ich bin mit tausend Grüßen
Dein
Eduard.