Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 1. Oktober 1928 (Berlin/Dahlem-Dorf)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

1.X.28.
Mein innig Geliebtes!
Es ist nichts Gescheites, was ich Dir heut mitzuteilen habe. Ich war bei Kurzrock und brachte die Diagnose gleich mit, die er dann bestätigt hat. Abgesehen von dem nervösen Teil des Darmleidens, der bestehen bleibt, ist der Nabelbruch schuld. Der Darm klemmt sich da ein wenig ein und könnte sich künftig noch mehr einklemmen. Herz soll nichts besonderes haben; aber ob ich nicht beim Steigen gemerkt hätte, daß ich weniger leistungsfähig wäre als andere? An der Nase ist nichts festzustellen.
Er riet zur Operation. Wir einigten uns dahin, wenn Bier auch der Meinung wäre, daß es besser gleich geschähe, dann sollte es noch in diesen Ferien sein. Ich habe nun sofort an Bier geschrieben, auch in Nürnberg und Bochum mitgeteilt, daß mein Kommen
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| zunächst zweifelhaft sei. - Ich bin doch jetzt jedenfalls widerstandsfähiger als im März nach dem Semester.
Alter Vereinbarung gemäß bitte ich Dich also nun, Dich für ev. Herkommen in 4-5 Tagen einzurichten. Wir sind insofern schlecht vorbereitet, als ein Teil der Einrichtung "Deines" Dachkämmerchens in das Zimmer der Frau Rohde gewandert ist. Du müßtest also ev. die fehlenden Teile selbst bei Wertheim besorgen. Für die 1. Nacht ginge zur Not wohl die Chaiselongue. (Später mein Schlafzimmer) [über der Zeile] besser heizbar!
Kurzrock sagt: 7 Tage. Ob es glatt geht, wird man ja schon früher sehen, so daß Du bei normalem Verlauf Deine Tätigkeit nicht länger als eine Woche zu unterbrechen brauchtest.
Frau Rohde ist eingezogen, und was man von ihr gesagt hat, scheint nicht zu viel gesagt. Die arme schwache kl. Frau Strasen hat mir gut geholfen, fährt diese Woche fort, um das Kind zu holen. Morgen setzen wir die Asche von Frau Riehl bei. Für heute nur diese aktuellen Dinge. Sobald ich Bier gesprochen habe, schreibe ich oder telegraphiere ich. Daß wir <re. Rand> uns dann wiedersehen, ist das Hübscheste bei der Sache. Sonst ist sie ja nicht so hübsch. Viel innige Grüße. Dein Eduard.
[li. Rand] Gestern mit Susanne in Werder, Geltow, Havelweg - sehr hübsch - Sommerabschied.