Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 3. November 1928 (Berlin/Dahlem-Dorf)


<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

3.XI.28.
Mein innig Geliebtes!
Aus Deinem lieben Brief entnehme ich mit herzlichem Mitgefühl, daß Du auf der Rückreise noch rechte Schmerzen aushalten mußtest. Hoffentlich kannst Du sie mit den erprobten Mitteln daheim bald beseitigen. Es wäre mir sehr betrüblich, wenn Deine opfervolle Reise zu mir mit einem so ungünstigen Ergebnis für Dich endete.
Über mein Befinden könnte ich nicht klagen, wenn es nicht im Mißverhältnis zu meinen Arbeitsverpflichtungen stünde. Ich bin doch noch schwach, und das zeigt sich u. a. darin, daß ich bei den Wegen in der Stadt immer in Schweiß gerate, ja dem Verkehr in der Dunkelheit gegenüber etwas hilflos bin.
Meine 1. Sprechstunde, unmittelbar nach der Rückkehr von F. dauerte von ½ 4 - 8. 123 Leute meldeten sich zu den Übungen, 130 waren im ganzen da. Inzwischen sind die An
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|meldungen auf über 200 gestiegen. Donnerstag sollten die Bibliothekarskurse u. damit das Semester beginnen. Es war aber niemand da. Trotzdem mußte ich ohne Mittagessen auskommen, da um 2 eine Konferenz mit Oncken wegen der d. Akademie war. Gestern begannen die Kantübungen. Ich fühle mich der zersplitternden Last der Geschäfte physisch noch garnicht gewachsen. Der Verband ist fort. Die 10 cm lange Wunde ist gut geheilt. Aber der Nervenchor ist noch nicht vorbei.
Besuch war reichlich da: Borchardt, Jugendrichter Hoffmann, heut Litt und Adalbert. Jede Minute ist besetzt. Ich schreibe spät nachts, nachdem ich einen Stoß Manuskripte erledigt habe. Ob ich durch den Berg des Semesters durchkomme, ist mir bei meiner Müdigkeit u. der geradezu abenteuerlichen Fülle von Anforderungen noch nicht sicher. Ich will mir aber Mühe geben. Dir sende ich heut nur diese kurze Nachricht und wünsche Dir von Herzen das beste Wohlbefinden.
Innigst Dein
Eduard.

[re. Rand] Sehr unangenehm ist mir heute ein Darlehensgesuch von Lore von 2300 M zu Gründungszwecken.
[li. Rand] Frl. Jacoby fordert Reparatur des Fußbodens in der Pestalozzistr. u. droht mit dem Anwalt! (abgelehnt.)