Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. Januar 1928 (Heidelberg)


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Heidelberg. 9. Jan. 1928.
Mein liebstes Herz,
wie sehr erschrak ich heute, als ich von der heftigen Explosion in Dahlem erfuhr. Mittags stand der Bericht in der Zeitung u. zwar soll die Wirkung gerade am Fehrbelliner Platz besonders stark gewesen sein. Das war wohl wie ein zweites Oppau? War der Herd des Unglücks nahe bei Deinem künftigen Wohnhaus? Man weiß doch wirklich nie, was man möglicherweise für eine gefährliche Nachbarschaft hat. Wer vermutet denn solche Dinge in einer Villa?
Ich hörte die Sache bei Weidenreich im Laboratorium, kurz nachdem ich Deinen lieben Brief bekommen hatte. Tausend Dank dafür, sowie für die Rücksendung der Recension u. des Fahrplans. Wir hatten ihn in den letzten Tagen nicht mehr benutzt; so kam er in Vergessenheit. - Daß Du wieder von der Reise eine Darmstörung mitgenommen hast, betrübt u. ärgert mich. Ich hatte so gehofft, Du kämest recht erholt zurück. Aber mit den 4 " Klappstullen" habe ich auf Anordnung
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| gehandelt. - es waren 4, nur jeweils in der Mitte durchgeschnitten. Man sagt doch nicht "Klappstulle", wenn man einfache meint. Wären es Dir zu viel gewesen, dann hättest Du sie gewiß nicht aufgegessen. Eher glaube ich an eine Schädlichkeit im Speisewagen. -
Also Du wolltest nun doch mit Kerschensteiner in die Sitzung u. eine - "Prügelei" riskieren? Daß Dein Vortrag so aufmerksame Hörer fand freut mich sehr. So warst Du hoffentlich zufrieden.
Willst Du mir nicht mal den Brief von Martha Knaack schicken? Ich kann mir garnicht denken, was ihr in Deinem Brief unklar blieb; etwa daß Du wegen der "Wahnvorstellungen" von Fr. R. ihr früheres Fortgehen richtig gefunden hättest? - Wie kann man nur hinter den wahren Sachverhalt kommen! Ob Du nicht doch den Arzt fragen müßtest?
Meine Bösartigkeit an der Nase ist heil seit Deiner Abreise. Das war nur eine besondere Verzierung für die Zeit. - Auch der Vorstand ist wieder wohl. Gestern waren wir bei Schupp - u. - Heidels, wo ein paar ganz entzückende Briefe von vor 100 Jahren vorgelesen wurden; über den Besuch von Tieck u. eine Weinlese. Es war sehr fein. - Noch andere Briefe bewegen eben hier die Gemüter: von Häckel u. einer unbekannten Dame, die jahrelang mit ihm korrespondierte. Die Briefe <li. Rand> sollen von seltener Schönheit sein; ich werde sie jetzt auch lesen. - Aber viel lieber <li. Rand S. 1> noch lese ich Briefe von Dir, u. freue mich jetzt schon auf den nächsten. Möchte er mir melden, daß Du wieder gesund bist. Und nun noch innigste Grüße von
Deiner Käthe.

[re. Rand S. 1] Heidelberg ist sehr froh über das Geld von di Jöden.