Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16./17. Januar 1929 (Dahlem)


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Dahlem, 16.I.29.
Mein innig Geliebtes!
Seit Sonnabend voriger Woche plage ich mich mit der Grippe. Ich habe am Dienstag die 3 Stunden abgesetzt - schon aus Angst vor der Anstrengung, habe damit heute Sprechstunde und Gesellschaftsabend der deutschen Akademie (= 3–12 Uhr!) schwengbar gemacht, fühle aber (bei 37,7 abends 6 Uhr), daß es auch morgen noch nicht geht, zumal draußen ein kalter Schneesturm herrscht. Schnupfen u. Bronchialkatarrh sind mäßig, aber der ganze Zustand grippemäßig elend. Der Klügere gibt nach. Ich hoffe, wenigstens am Sonnabend den Vortrag in der Gesellschaft für soziale Reform halten zu können, zu dem viele von auswärts kommen. Im Notfall werde ich schon dankbar sein, wenn ich den Text diktieren u. von jemand anders vortragen lassen kann. Frl. Silber ist aber auch auf länger krank, wie hier Unzählige.
Hoffentlich bleibst Du verschont. Trinke zur Not einen steifen Grog oder einen Schnaps. Letzterer hat mich allerdings trotz großer Quantitäten nicht gerettet. Ich war recht unvorsichtig. Schon erkältet fuhr ich
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| Sonntag mit Sus. an den Tegeler See. Unterwegs schlug das Wetter so um, daß wir zwar über die Havel zu Fuß kamen, aber doch durch fußhohes Wasser auf dem Eis. Die Gummischuhe schützten die Füße. Aber nachher faßte uns oben der Regen.
Die Sache ist für das Semesterprogramm natürlich sehr unangenehm. 18.I. fällt so wie so aus. 22.I. Kantübungen wegen Lessingfeier.
Ich habe noch herzlich zu danken für das reichhaltige Packet. Alles ist heut eingetroffen. Eben habe ich die Bilder von Mittenwald noch einmal von mir. Mancherlei wäre zu erzählen (Prozeß Köln, Examen Knaack, bisher ungünstig, Brief v. Erika Janensch u. allerhand.) Aber ich will vernünftig sein und um 9 ins Bett gehen, das ich erst um ½ 11 verlassen habe, um zu examinieren. Susanne hilft schreiben. So geht es "notdürftig". Lieben Brief von den Nürnbergern. Vielleicht füge ich morgen einiges hinzu. Für heute Gute Nacht, und gib mir bald die Beruhigung, daß Du gesund bist.
Herzlichst Dein
Eduard.

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<beigelegter Zettel>
17.I.29.
Es geht heut wesentlich besser; ohne Fieber.
Ed.

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Frl. Silber ist krank; das mache ich nun also allein.
Die Wanderseele fängt wieder an zu schreiben.
BecherMünchen † (46 Jahre.)
Alois Fischer}
Kroh} krank.
Kahl}