Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. Februar 1929 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

9.II.29.
Mein innig Geliebtes!
Es ist so furchtbar viel zu tun, und ich bin so angestrengt, daß ich Dir nur das Wichtigste heut mitteilen kann. Wie Du von dem Tode der Frau Fürbringer schreiben mußtest, so habe ich auch Trauriges zu berichten: Mutter Heyse ist am 4.II. gestorben. (Breslau 21, Kürassierstr. 135.) Die Operation von Muthesius ist nicht geglückt. Es ist eine große Krebsgeschwulst an der Wirbelsäule. Sie konnte nicht entfernt werden. Das Herz wurde schwach bei der Operation. Nun will man bestrahlen, aber es ist eine Frage von Monaten. Prof. Michels in Jena, der Vetter der kl. Michels hier, ist auch gestorben - ein angenehmer Mann, den wir ungern verlieren.
Ich mußte in der vorvorigen Woche 4 Abende ausgehen. In dieser bin ich gerade am Mittwoch schon um ½ 9 zu Hause gewesen. Sonst immer spät. Gestern war Rösi Biermann, sehr lieb, zu Mittag bei mir. Heute kommen Prof. Binder
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| Göttingen und Prof. Tumlirz - Graz zum Diner. Die Durchreisenden hören nicht auf. Bei Schmidt-Ott war ich Sonntag Mittag. Montag Abend Essen beim Minister, wo ich schon todmüde hinkam.
Die Akademierede ist im Druck. Jetzt lese ich Dissertationen auf Mord. Bis zum 4.III. lese ich. Einen Reiseplan für April habe ich mir zum Trost skizziert. Aber es ist noch lange hin. Außer einem leichten Bronchialkatarrh, der bei der strengen Kälte nicht weicht, bin ich gesund. Endlich noch eine Frage: ist es Dir recht, wenn ich Dir diesmal zum Geburtstag nichts schenke, nur 50 M schicke?
Jeden Morgen kommen 25 Postsachen, z. T. tolles Zeug. Schulte Liese schreibt: "Die 3 Esel tun mir nicht mehr leid." Sie ist aber nun vom Rechtsanwalt verwarnt.
In größter Eile, aber in täglich treuestem Gedenken
Dein
Eduard.

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<beigefügter Zettel>
Leider habe ich das kleine Herzchen von der Kette wieder abnehmen müssen. Es stand ununterbrochen auf und war in Gefahr, dabei entzwei zu gehen.