Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Februar 1929 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

22.II.29.
Mein innig Geliebtes!
Ich bin in großer Trauer. Am Montag ist Muthesius gestorben. Seine letzten verständlichen Worte sollen ein Dank für meinen Brief gewesen sein. Mein Liebes! Ich habe doch so wenig Menschen zu verlieren, die ein Stück von meinem Herzen haben. Der hat es wirklich gehabt. Er war eine reine, hohe Seele. Ich wäre so gern zur Trauerfeier gefahren. Vermutlich war sie gestern, dem schlimmsten Arbeitstage des Semesters. Aber es ist ja nicht einmal Zeit, nur eine Viertelstunde zu weinen und nur zu fühlen, was man verloren hat.
Ich nenne Dir die Adresse: Frau Schulrat Muthesius, Weimar, Zöllnerstr. 14a.
Unvergeßlich wird mir der Augenblick in dem kleinen dunklen Zimmer in dem Züricher Hotel sein, wo wir sein Gedenken feiern wollen,
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| als er mich umarmte. Seitdem bis in den Tod hinein haben wir so zusammengehört, daß es auch über den Tod hinaus sein muß.
Dein
Eduard.