Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Mai 1929 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

27.5.29
Mein innig Geliebtes!
Dein Entwurf ist vorzüglich. Du verstehst Dich auf diese (mir so verhaßte) Art der Fakultätskorrespondenz ausgezeichnet.
Ich habe heut gar keine Zeit zum Plaudern, muß vielmehr jede Minute ausnützen. Hermanns Vorschlag ist mir unlieb, weil das für Dich eine zu große Anstrengung werden wird. Meine Termine liegen nicht fest. Ich dachte, Anfang August 3 Tage Swinemünde, dann Dahlem zum Arbeiten, dann um den 27.VIII nach Sobernheim Nahe. Von dort via Heidelberg (kurz) nach Südtirol. Das kollidiert also nicht. Das "Ob" muß ich Deinem Ermessen anheimstellen.
Weimar war in der Hitze strapaziös; der Wechsel zwischen Trauer und ausgelassenster Heiterkeit unwahr. Du beurteilst die Lage falsch. Verjudet ist die GG nicht mehr. Th. Mann ist nicht gewählt. Es fehlte eine Stimme. Großkophtha ein unmöglicher Quatsch. Danach bis ¼ 2 mit Lüders u. Frau, Marcks u. Frau, Petersen u. Frau, Böhm, Dutzi u. a. in Hochstimmung pokuliert. Kühnemanns
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| Rede in ihrer Art imposant. Nur die Kollegen lehnten sie ab. Kaffee am Römischen Haus mit den endlosen Vorstellungen u. Anzapfungen zum Weinen. Festessen bei Gewitter im schwülen Saal. 2. Rede: ich auf den Festredner, wurde mit besonderem Beifall aufgenommen. Ich hatte sehr geschickt dosiert u. alle Kritik in Lob eingewickelt - Mitte zwischen Scherz und Ernst. Um ½ 1 ein paar Worte Liebestrost für Erika Bütner (cf. Bernh. Runge). Es waren nämlich 80 Stud. u. Studentinnen da. Ich habe mit jedem einzelnen angestoßen. Schluß ¼ 2. Sonntag vorm. Frau Muthesius. Haus ist vermietet, zieht in kl. Wohnung, die sie "gekauft" hat. Dann nach Erfurt. Im überfüllten Zuge zurück. Wohl 100 Bekannte in der Bahn. Ab 12 Uhr nachts Vorbereitung auf heute.
Das Tintenfaß ist im Koffer ausgelaufen, worauf ich schon lange gewartet habe, u. hat allerhand Schaden gestiftet.
Ich muß abbrechen. Was macht Deine Arbeit?
Herzlichsten Dank
Dein
Eduard.

[] Lore ist in Berlin. Das arme Ding, so heimatlos. Jetzt 2 Freitage Extravorträge.