Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. August 1929 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

16.08.29.
Mein innig Geliebtes!
Wie geht es Dir? Aus Sympathie habe ich es seit Swinemünde etwas im Knie. Aber das ist eigentlich nicht die Hauptsache. Gestern bin ich nervös ziemlich zusammengeklappt. Ich weiß noch nicht, ob es sich wieder gibt, oder ob ich mich lange schonen muß. Ursache ist das Übermaß von Arbeit, das nicht nur täglich geleistet wird, sondern vor mir liegt u. somit seelisch auf mich drückt.
Ich muß Dir aber doch, wennschon es unter diesen Umständen nur kurz sein kann, Reisedispositionen mitteilen. Hoffentlich komme ich wieder mehr in die Höhe. So wäre mir Südtirol als Reise zu anstrengend. 26.VIII hier Abreise via Köln. 28.-30. Tagung auf der Ebernburg. 31. Eintreffen mittags in Heidelberg. 2.IX Abreise via Bregenz oder via München. Ankunft in Seis am 3. abends. Aufenthalt dort vom 4.-21.   22. Reisetag. 23.-25. Partenkirchen. 26. Rückreise Berlin (allerspätester Termin.)
Du siehst, daß für Heidelberg nicht mehr als eine Durchreise herauskommen kann, wenn ich überhaupt
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| dies Jahr in Höhenluft kommen soll. Dafür mache ich Dir folgenden Vorschlag: Vom 10.-24. Oktober verreist Frau Rohde. Willst Du mir in dieser Zeit hier - die Wirtschaft führen? Es wäre hoffentlich nicht zu anstrengend, da wir es ja einrichten können mit Auswärtsessen jeden 2. Tag.
Strasens sind alle fort. Unmittelbar vor der Abreise mußte ich noch einen Konflikt zwischen Frau Strasen u. Frau Rohde schlichten, die sich nie gut gestanden haben, jetzt aber vielleicht besser den Ton zu einander finden. Am Dienstag war die erschütternde Trauerfeier für Kühne. Heyse u. Lore waren auch da; Klösterli ist auf 5 Jahre vermietet. Schulte-Liese soll auf Geisteszustand untersucht werden.
Den Fall Cläre Fürst halte ich für ziemlich aussichtslos. Hoffentlich war es nicht nur der bekannte Studententrick, zu Reisegeld zu kommen. Ich kenne auch so was.
Gestern ist der Zeppelin hier durchgekommen.
Ruiniert habe ich mich an einer 500 Seiten langen Habilitationsarbeit, die ich recht schnell bewältigen wollte. Ich werde ja nie zu eignen Arbeiten kommen.
Damit Du endlich Nachricht bekommst, lasse ich diese eiligen Zeilen abgehen u. füge nur noch die innigsten Grüße hinzu.
Dein Eduard

[li. Rand] Schick mir bitte wenigstens den Brief v. Schafagh zurück. Er hat mir ein kostbares persisches Zigarettenkästchen schicken lassen