Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 12. Januar 1930 (Berlin)


[1]
|
12.I.30
Mein innig Geliebtes!
Ich hätte Dir schon längst geschrieben, wenn Du mir in Deinem lieben Brief keine Frage gestellt hättest. Er ist mir absolut unmöglich, mich mit der Sache jetzt zu beschäftigen. Ich habe sie mir auch anders gedacht. Verzeih und habe Dank für Deine Mühen.
Ebenso danke ich Dir für die 3 schönen Geschenke und für das richtig eingetroffene Packet mit den lieben Bildern. Die Handschuhe passen ausgezeichnet und sind ganz das Richtige.
Seit meiner Ankunft bin ich in einer Zeithetze und in der größten Not, wie ich alles einigermaßen schaffen soll. So wird es bis zum 28.II weitergehen. Daß ich überhaupt schreiben kann, verdanke ich der Tatsache, daß Annerose Fröhlich, einer von den dreien, die heute "durchreisen" (der 4. Hans Heyse ist gebeten zu verzichten), mich hat sitzen lassen. Warum, unbekannt. In der nächsten Woche habe ich 10 Doktorkandidaten und 3 Stunden Staatsexamen. Die Rede ist immer noch nicht fertig,
[2]
| der Anfang kann auch kaum fixiert werden, ehe die Konferenz in Haag beendet ist. Es fehlt ganz die Möglichkeit der Sammlung. Die Freunde, die meine Lage kennen sollten, sind am anspruchsvollsten.
Die Vorlesung ist an besonders schwierigen Partien angelangt, für die ich viel lesen und denken muß. Die Bücher um mich herum sind zu wahren Wällen geschichtet.
Ich hoffe, daß Dein Befinden weiter günstig fortschreitet. Das Winterwetter (soviel ich von innen sehe) ist ja so schön, daß Du auch manchmal hinausgehen kannst. Ich denke dankbar an die kurzen ungetrübten Tage bei Dir und nehme aus ihnen Trost und Kraft für die Zukunft.
Das eine will ich nur hinzufügen, daß die 1. Frau v. Korinth wieder sehr vernünftig geschrieben hat. Von der Familie Scholz nichts.
Verzeih die Kürze u. Hast meiner Zeilen. Es ist, weiß Gott, nicht meine Schuld.
Viel innige Grüße u. Wünsche
Dein dankbarer
Eduard.