Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Februar 1930 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

23.II.30.
Mein innig Geliebtes!
Es ist schon der 23. und ich habe noch kein Geburtstagsgeschenk für Dich. Da ist die Hoffnung gering, daß es noch rechtzeitig kommt. Wenigstens meine Gedanken aber will ich von dem Druck der ewigen Hast für eine halbe Stunde frei machen, um Dir zu danken, daß Du in meinem Leben bist, und Dir die innigsten Wünsche zu senden. Was in ihnen alles enthalten ist, das werde ich freilich auch dies Jahr nicht in Worte bringen können.
Deine beiden lieben Briefe berichten von dem Mißbefinden des Vorstandes. Ich nehme daran herzlich teil. Hoffentlich wird es mit dem Frühjahr besser! - Über Anna v. Helmholtz glaube ich mal in der Deutschen Rundschau einen Aufsatz von Dilthey gelesen zu haben, der sie als eine besondere Frau feierte. Daß dies bei der kleinen Schröbler nicht zutrifft, kann ich mir nach der häuslichen
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| Atmosphäre denken.
Deine Anwesenheit in Karlsruhe wollen wir einrichten. Du fährst dann am 10.III. mittags ab. Ich muß von hier ganz bis K. durchfahren. Bis dahin ist es aber noch schlimm. Die letzte Woche war schon so, daß ich immer über meine Kraft selbst staune. Es waren 14 Doktorkandidaten mitunterzubringen, d. h. 8 Stunden Mehrarbeit. Die Vorbereitung der Akademierede am 27.II. tritt natürlich sehr zurück. Am 19.II war Susannes Geburtstag. Am 15.II war sie nicht mit. Gestern war hier zu Mittag der Wiener Kollege für Pädagogik Meister, ein braver Mann, aber kaum ein Meister, ziemlich oesterreichisch langweilig. Abends um ½ 8 waren 12 Studenten eingeladen: 7 Herren, 5 Damen. Kalte Küche nach dem Stil der parlamentarischen Bierabende. Dank Frau Rohdes ruhiger Umsicht klappte alles recht gut. Die 3 Tische à 4 Personen ließen sich gut unterbringen. Die Stimmung war ganz gut. Ein großer Segen fürs Kennenlernen liegt aber nicht drin und so ein Abend kostet doch ca 110 Mark. Es sollte einmal sein, um auch dieser Seite meiner Amtspflicht zu genügen.
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| Die Zahl der Hörer in der Vorlesung hat sich mit dem Übergang in den (heiklen) aktuellen Teil wieder vermehrt: es stehen wieder manche. Im ganzen sind wohl 1100-1200 da. Das Seminar bewahrt eine erfreuliche Höhe (daher auch die Einladung.) Nun aber die nächsten Tage:
Montag   4-7 Staatsexamen.
Dienstag!!   4-8 Staatsexamen.
Mittwoch:   Sprechstunde (letzte) und 5 Fleißprüfungen.
Donnerstag:   Akademierede und Fakultätssitzung
Freitag:   Schluß der Vorlesungen u. des Seminars.
Sonnabend ganz früh  Fahrt nach Leipzig, ½ Stde Besuch bei Litt, dann nach Weimar zur Goethegesellschaft.
Sonntag Mittag:   Frau Muthesius gleich nach Rückkehr bei Dora Thümmel.
Montag:   4-8 Staatsexamen.
Dienstag:   ev. frei     oder Fleißprüfungen.
Mittwoch:   ev. Einladung der Ehepaare Jaeger u. Seeberg
Donnerstag:   Vortrag in Wilmersdorf.
Freitag:   Generalversammlung der Deutschen Akademie
Sonnabend:   3-8 Hochbegabtenprüfungen.
Von den unbeantworteten Briefen, ungelesenen Mss., Vorbereitungen u. Besuchsempfängen ist darin noch nicht die Rede.
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Heut vor 8 Tagen war Ludwig da. Er machte den üblichen Pump zwecks Wohnungskaufes. Darüber mündlich.
Susanne hat zu meiner Freude bei ihrem Abiturientenexamen recht gut abgeschnitten.
Das wäre wohl so das Wichtigste aus dem Tagesleben. Ich wünsche Dir Freude an Deiner Arbeit ohne Überanstrengung. Was man berechnen darf, vermag ich nicht zu sagen. Da es eine gelernte Arbeit ist, so schienen mir 3 M für die wirkliche Arbeitsstunde das wenigste.
Ich habe wohl nicht erwähnt, daß ich für ca 600 M mit Gravieren Bestecke angeschafft habe, die gestern zum 1. Mal in Gebrauch genommen sind.
Am Dienstag denke ich Deiner schon früh auch ohne sichtbares Zeichen. Sei tausendmal gegrüßt von
Deinem
Eduard