Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. März 1930 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

19.III.30.
Mein innig Geliebtes!
Wie ist es, wenn man 10 Tage lange keine Post beantwortet hat, dafür aber jeden Tag 10 Briefe eingetroffen sind, will ich Dir nicht schildern. Dies Schicksal aber liegt über m. Ankunft hier.
Ich habe heut einen praktischen Zweck u. stelle alles andere zurück. Es ist mir klar, daß ich auf Biegen oder Brechen 1 Woche wirklicher Erholung haben muß, wenn ich für das so schnell, d. h. in 5 Wochen beginnende Semester einigermaßen kräftig bleiben soll. Deshalb hier mein abgeänderter Plan: Ich will am 4. April abends (hoffentlich mit Schlafwagen) hier abreisen u. kann am 5. April 11.30 in Singen sein. Du müßtest schon am 4. April bis zur Reichenau durchfahren und dort Quartier machen. Wenn es nicht abnorm kalt wird, ginge es wie im vorigen Jahr.Am besten wäre es, wenn mich Frommherz mit dem Auto von Radolfzell abholen könnte.
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|[li. Rand] !Am besten wäre es, wenn er sich den km mit dem Freundschaftspreis von 20 Pf. bezahlen ließe. Sonst ist es lästig. Wir könnten sicher bis zum 11. einschl. dort bleiben, also 6 ½ Tage. Am 12. früh wieder via Radolfzell abreisend käme ich zur Not bis Trier. Ev. erst am 12. mittags, dann würde ich gern bei Dir übernachten, um am 13. mittags in Trier zu sein. Bitte schreibe, ob Du das machen könntest. Ich werde mich bemühen, diesen Plan durch alle Nöte festzuhalten.
Meine in Würzburg eingesteckte Karte hast Du wohl erhalten. Mit Stumpf war es angenehm. Wir fuhren Montag bis Iphofen (altes, verschlafenes Nest) und gingen über Mainbernheim nach Kitzingen am Main. Gestern früh waren wir in der Residenz (unerhört sehenswert, schon wegen der Möbel) und endigten beim Steinwein in Juliusspital.
Hier also außer den Briefen zahllose zersplitternde Verpflichtungen. Rösi, Rudolf, Seebergs, Wegner (Breslau), Frau Morgan, Math. Mayer - sind nur einige Namen. Susanne hat einen Konflikt mit ihrem Direktor gehabt. Ich rate ihr, sich wegzu
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|melden. Man empfindet die Ekelhaftigkeit aller Verhältnisse hier doch sehr stark.
Ich habe von meinen großen Kolleggeldeinnahmen 6 "Alois-Riehlstipendien" à 250 M gestiftet. Im einzelnen wäre viel zu berichten. Aber Du verstehst es, wenn ich im Interesse eines Wiedersehens vor Ostern nichts mehr schreibe, sondern nur noch die letzten Verabredungen mitteile. Das Schreiben ist doch so unvollkommen, und die paar Tage für uns wären wertvoller.
Geht es dem Vorstand besser? Ich grüße Dich herzlich und bin in innigem Gedenken
Dein geplagter
Eduard.