Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Juni 1930 (Berlin, Postkarte)


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<Poststempel: Berlin, 27.6.30>
M. L. Deine gestern Abend eingetroffene Nachricht hat mich sehr erschreckt. Wie kommst Du denn zu dieser schmerzhaften Sache? Hat die Ärztin sie als G. bezeichnet? Und ohne sichtbare Spuren? Ich habe sie ansatzweise auch mal gehabt, aber fast ohne Fieber. Nur war das Stechen der entzündeten Nervenenden sehr unangenehm. Bitte schreibe mir bald oder laß jemanden schreiben, wie es geht. Ich bin in Unruhe. - Eigentlich wollte ich Dich bitten, für Frau Strasen, die vermutlich Dienstag auf
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| der Fahrt nach Kappel durchreist, Quartier zu beschaffen. Nun werde ich dafür sorgen, daß sie in Darmstadt bleibt.
Ich bin heut früh um 9 fortgegangen, hatte Vorlesung, Vorbereitung, um 1 Kommissionssitzung, um 5 Seminar, um 7 einen Japaner, um 8 Staatswiss. Gesellschaft, um ½ 11 komme ich heim. Dein l. Packet habe ich von außen schon gesehen, weiß aber noch nicht, was drin ist. Herzl. Dank im voraus! - Der Dienst fällt mir sehr schwer. Ich bin nicht mehr elastisch. Bestimmtes fehlt mir nicht. Die Hitze war z. T. schrecklich. Es sind auch immer so viel wachsende Verpflichtungen, die z. B. den Mittagsschlaf kosten. Morgen zum Kaffee u. zum Abend erwarte ich die gewohnten Freunde. - Am Mittwoch habe ich für 250 kathol. Geistliche geredet. Nun ist - gottlob - erst am 29. Juli wieder ein Extravortrag. Die Vorlesung hat starken Besucherverlust. Es sind aber immer noch ca 450 da. Wo die anderen sind, weshalb sie fortbleiben, weiß ich nicht zu sagen.
Vor allem wünsche ich Dir gute Besserung u. grüße Dich herzlichst. Dankbar Dein
Eduard.