Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. Juni 1930 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

29.6.30.
Mein innig Geliebtes!
Die Sorge darüber, daß Du krank bist, läßt mir keine Ruhe. Unsre Freundin schreibt, es sei wieder etwas Grippeartiges. Was es auch sei: stehe nur nicht zu früh auf. Hat der Gans Dich so lange warten lassen, kann auch er jetzt warten. Und gib mir bitte kurze Nachricht, wie es Dir geht.
An Deinen schönen Geschenken habe ich, wie stets, herzliche Freude gehabt. Am meisten natürlich an den Bildern, die unsrem gemeinsamen Erleben entstammen. Auch die alten Schloßbiskuits sind wieder mal da. Von dem Roman habe ich freilich den 1. Teil noch nicht lesen können. Wann hätte es auch sein sollen! Mit dem Dilsbergheft werde ich mich noch beschäftigen. Es waren ja ziemlich unruhige Tage jetzt. Am 27. ging ich um 9 fort u. kam um 11 abends wieder. Da fand ich eine riesige Blumenpracht
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| und ca 50 Gratulationen, von denen ich Dir später einige schicken werde (mit anderem, das für Dich bereit liegt.) Sonnabend kam "Klematis", um sich zu verabschieden. Sie fährt im August von Arosa nach Indien, will aber wieder kommen. Nachm. waren da: Wingeleit, Rauhut, Susanne und Silber. Die beiden letzten blieben auch zum Abend, an dem noch Ludwig und Brosius kamen. Von den Geschenken sind zu erwähnen: Eine selbstgearbeitete Bettdecke von Dora Th. (die heut nach London abgereist ist), 2 Balkonstühle von Susanne, allerhand Sinnreiches von Frl. Geppert u.s.w.
Frau Strasen reist also nach Kappel, bleibt die Nacht in Darmstadt u. kommt mit dem Zuge nach Basel ca um 8.40 früh durch Heidelberg durch. Ich habe 100 M beigesteuert.
Die Unterhaltung mit dem Minister war gut und ehrlich. Ich komme mit ihm besser aus als mit Becker. Morgen Nachm. ist eine Unterredung mit Richter angesetzt.
Lore ist für ein paar Tage hier. Ich habe sie aber bisher verfehlt. Adelheid bittet mich zum Paten des kl. Hermann. Adalbert hat mit gutem Erfolg seinen Referendar gemacht.
Frau Seitz wird noch nach einer anderen Methode behandelt. Ihn sah ich heut in Westend im Vorbeigehen, konnte ihn aber nicht sprechen, weil ich mit den Hildebrandts – Westend zusammenging, die Du nicht kennst. Von der Rede eines Amerikaners Lessing in der Universität habe ich nichts gehört. Ist das eine Ente? Ebenso habe ich nichts von dem Bootsunglück gelesen.
Das Rätsel ist sehr lustig. Ich habe es natürlich nicht herausbekommen.
Es wäre noch viel mitzuteilen. Aber für heute breche ich ab. Ich habe, wie Du denken kannst, schon ca 20 Danksagungen geschrieben. Jetzt will ich versuchen, meine Pflegemutter, Frau Matejat zu treffen. Sie ist mit m. 200 M sehr glücklich geworden. Das ist doch hübsch, daß das möglich war. Hoffentlich bald mehr. Es geht mir gut, bis auf mangelndes Plus an geistiger Elastizität.
Bitte sage dem Vorstand meinen herzlichen
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| Dank für seine treuen Glückwünsche. Werde bald gesund und sei innig gegrüßt von Deinem dankbaren
Eduard.

[] Die 8 Nußbaumstühle für das Eßzimmer und 3 Mahagonistühle für das Schlafzimmer sind eingetroffen.