Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. Juli 1930 (Berlin/Dahlem)


[1]
|
<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

17.7.30.
Mein innig Geliebtes!
Deine heut früh erhaltene Nachricht war mir natürlich ein großer Schrecken. Man kann zwar nach einem leichten Schlaganfall noch Jahre leben; aber es ist wie Du sagst: ein memento mori. Sage unsrer Freundin, daß ich sehr an ihrem Ergehen Anteil nehme und ihr vor allem Zuversicht wünsche. Dann wird ihre im Kern gute Natur schon Widerstand leisten.
Ebenso sehr aber macht es mich besorgt, daß Du jetzt, bei Deinem eigenen angegriffenem Zustand, eine Pflege leisten sollst, die ev. doch auch noch nachts nötig sein könnte. Ich bitte Dich, alles zu tun, um größere Anstrengungen von Dir fern zu halten. Man könnte ja doch auch eine Pflegerin nehmen. Sparsamkeit hier wäre nicht nach meinem Sinn. Die Rechnung übernehme ich gern.
Mit Deinem Brief kam noch eine andere
[2]
| bewegende Nachricht: Felizitas’ Bund mit A. Höfler ist gelöst. Ich muß ihr auch jetzt gleich schreiben.
Wir stehen in der schlimmsten Hochsaison: In der nächsten Woche sind 17 Doktorkandidaten unterzubringen, neben dem "Sonstigen". Dazu kommt: Sonnabend Studentengesellschaft, Sonntag zu Mittag bei Schmidt-Ott, Montag den ganzen Tag in Wörlitz (Mendelsohn-Stiftung.) Ich bin sehr erschöpft, leiste aber immer noch, was von Tag zu Tag erforderlich ist.
Letzten Sonnabend hat der Gouverneur Seitz bei mir zu Abend gegessen. Eine 2. Behandlung s. Gattin soll etwas mehr geholfen haben. Man spricht von Entzündung der Rückennerven (Folge einer Influenza.) Sie wollen demnächst verreisen.
Ich werde morgen wegen Oberbayern mit m. Studenten Eckart Jacobi reden. Denn Erholung wird mir nachgerade der wichtigste Gedanke. Das Semester krägelt so. Es ist auf beiden Seiten keine so rechte Stimmung, außer Pestalozziseminar. Susanne ist seit 14 Tagen im Engadin, Wetter z. T. schlecht.
Ich habe einen Stoß Briefe etc. für Dich gesammelt, will sie aber jetzt nicht absenden, da Sie Dir nur Zeit kosten würden. Ich bin mit m. Gedanken bei Dir und wünsche herzlich, daß sich <re. Rand> alles möglichst gut entwickelt.
Innigst Dein
Eduard.