Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. Juli 1930 (Berlin/Akademie)


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In der Akademie, 24.7.30.
Mein innig Geliebtes!
Du kannst Dir denken, wie sehr ich an Deinem Kranksein teilnehme. Es ist etwas viel zu allem, was schon war. Und um das Zusammensein mit Hermann bist Du auf diese Weise auch gekommen? Hoffentlich kann sich der Vorstand selbst schon etwas helfen. Sonst strengst Du Dich nach dem Aufstehen gleich wieder an. Wenn nur nichts anderes zurückbleibt! Du hast mit Deinen Halsentzündungen immer besonderes Glück!
Ich hätte schon gestern geschrieben, wenn jetzt nicht ein so fürchterlicher Hochbetrieb wäre. Dazu kommt doch mannigfacher Ärger mit den Studenten und die Sorge um die allgemeine Entwicklung, die eben wirtschaftlich keine Entwicklung ist,
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| während politisch sich alles zuspitzt.
Ich will froh sein, wenn jetzt in 8 Tagen wenigstens die Vorlesungen u. Übungen ein Ende haben. Die Studentenschaft verproletarisiert zusehends.
Montag war ich in Wörlitz, Festessen im Schloß, Kaffeefahrt auf der Gondel. Angenehme Begegnung mit Prof. Junkers, der mich kennt. Rückfahrt im Auto mit Mendelssohns bis Wannsee. Meine Prüfungen (17 Stück) werde ich um 7 beendet haben. Nun kommen die Fleißprüfungen, und dann die liegen gebliebenen Manuskripte.
Von Mittenwald habe ich Zusage.
Ich schreibe, während Norden redet, um wenigstens zu zeigen, daß ich lebhaft an Dich denke u. Deiner mit den innigsten Wünschen gedenke, wie es ja selbstverständlich ist. Bitte laß den Vorstand grüßen. Und stehe nicht zu früh auf!
Immer Dir nah Dein
Eduard.