Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. Oktober 1930 (Zug Berlin-Freienwalde, Postkarte)


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10.10.30 im Zug v. Bln n. Freienwalde.
M. L. Ich habe wirklich seit Würzburg nicht geschrieben. Die Tage sind allzu bunt: 1) Jubiläum Berliner Lehrerverein, 2) Kongreß f. Individualpsychologie, 3) Soziologentag 4) Museumsfeier, 5) Philologentag. Du siehst, ich bin unterwegs zu Nr. 6. Gestern hatte ich die große Festrede vor 800 Philologen gehalten. Hat 3 Tage Arbeit gekostet. Erholung war nur Buckow. Viele Besuche. Fast 2 Tage habe für die Fakultätsstatuten gearbeitet. Ich weiß nicht, es geht alles langsamer als sonst, u. die Last ist zu fürchterlich. Von einem Leipziger Preisausschreiben hat man mir 52 Arbeiten geschickt. 2 Dissertationen zu je 600 Seiten bis Weihnachten zu erledigen. Und vor Semesterbeginn nach Oberschlesien. Gestern war ich gratis in Verdis Othello, ging aber vor Akt 4 weg. - Für das Bild aus der Leutasch habe auch noch nicht gedankt. Es war sehr <unleserliches Wort>, das sieht man. Ob Feliz. am Dienstag kommt, ist ebenso düster. Man hätte doch wenigstens schreiben sollen. Laufe in Berlin mehr. Karsen uns
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| oktroyiert. Ich habe <Name unleserlich> nicht gesprochen, weil diese Sachen noch sehr drücken. Kersch. immer noch 38 Mitteltemperatur.
Ich freue mich, daß der Vorstand schon wieder gut marschiert. Herbstwetter war zu schauerlich. Ich lasse Schutzdach an Haustür machen. Heut Geheeb 60 u. Carl Körners Silberhochzeit. Das sind wenigstens die wichtigsten Fakten. Ich denke Deiner in Treue u. grüße Dich herzlich Dein
Eduard.

[li. Rand] Frau Strasen ist fort, Renate zu holen.