Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Oktober 1930 (Beuthen/Oberschlesien, Postkarte)


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Beuthen, Oberschlesien, den 23.X.30.
M. L. Als ich heut früh um ¾ 8 fortging, war Dein lieber Brief schon da. Ich genieße nun schon seit 3 Tagen Beuthen, einen an sich furchtbaren, gänzlich reizlosen Ort. Aber ich gehe so viel in die Akademie, wie möglich ist. Denn das ist doch noch ein großes Problem. Die Dozenten sind sehr freu[über der Zeile] ndlich, vielleicht weil sie keine Schlesier sind. Denn mit den beiden Lehrern, die meine Vorträge in Oppeln u. Gleiwitz dirigierten, habe ich sehr eigenartige Erfahrungen gemacht, wie sonst nie. Sie waren unge
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|schickt u. ungefällig. An beiden Orten habe ich gleich hinter Th. Ziehen/Halle gesprochen, also einem Mann der alten Schule. In Oppeln gelang es sehr gut. In Gleiwitz - wieder mal auf der Kinobühne, litt ich etwas unter dem Druck des Zeitmangels. Gestern haben wir im städt. Auto die neue Grenze abgefahren (unerhört!) und waren auch in Hindenburg. Wer hier nicht Kommunist wird, hat kein Herz. Heut Abend "Familienabend" in der Akademie, morgen besuche ich noch das Gymnasium und halte nachm. in der Akademie eine Ansprache. Sonnabend früh fahre ich ab. Ich habe aber immer noch keine definitive Nachricht, ob am Sonntag in Breslau 21, Kürassierstr. 135 die Taufe stattfindet. Wird sie verschoben, so bin ich Sonntag Abend wieder in Berlin, sonst Montag. Mit Felizitas war ich am Sonnabend noch in den Müggelbergen (am Freitag hatte sie mich bis ¼ 1 warten lassen.) Frl. Wille nahmen wir mit. Sehr erfreulich war es mit Feliz. nicht. Es fehlt ihr die innere Regsamkeit, das wärmere, frauliche Interesse an anderen Menschen. Abwechslung ist die Hauptsache. Sie ist noch bis Mittwoch früh in Dahlem geblieben. Dann wollte Frau Rohde sie an die Bahn nach Dresden bringen. Ich habe noch nichts gehört, wie alles gegangen ist. - Kersch. ist, anscheinend ohne nennenswerte Besserung, wieder in München.
[li. Rand] Vielen herzlichen Dank für Deine lieben Zeilen. Von Günther wußte ich schon u. habe <Kopf> ihm von hier geschrieben. Alles Gute u. viele Grüße auch <re. Rand> an den Vorstand Dein Eduard.