Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. Dezember 1930 (Berlin)


[1]
|
<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>

10.12.30.
Mein innig Geliebtes!
Die Tage vergehen unheimlich schnell! Deshalb will ich doch das Nötigste, was vor Weihnachten geklärt sein muß, heute schon schreiben. Also die Lampe bitte ich ganz so zu beschaffen, wie sie Dir erwünscht ist, und sie als mein Geburtstagsgeschenk unter den Weihnachtsbaum zu stellen. Ich fürchte, daß mir in meiner Sklaverei doch kein fruchtbarer Gedanken sonst mehr kommen wird. Ferner bitte ich Dich, mir Dein Konto bei der Sparkasse genau anzugeben. Ich will 1200 M für 1931 überweisen. Die Gründe setze ich Dir <gestrichener unleserlicher Buchstabe> mündlich auseinander.
Von Frau Hildebrandt höre ich - in der Form einer poetischen Einladung zum 2. Feiertag, daß Lenzens diesmal nicht hiersein werden. Das ist ja vorläufig nur ein Gerücht. Sollte es sich aber bestätigen, so würde ich lieber schon am 2. als am 3. Feiertag
[2]
| reisen; nicht der "Erholung" wegen, sondern weil so viel zu tun ist, daß ich diesen Tag mehr in H. sehr brauche. Könntest Du diesen Gesichtspunkt in einer Karte an Frau Prof. H. Charl. 9. Württemberg-Allee 27 auch Deinerseits in geschickter Form geltend machen?
Sonntag war Frl. Kiehm zu Mittag hier; heut Nachm. beim Chines. Gesandten (unnötigerweise.) Sonnabend zu Mittag alle 3 Litts bei mir, abends sein Vortrag. Sonntag will ich mir einen freien Tag gestatten (weil von "Ferien" doch kaum die Rede. Bei geeignetem Wetter werde ich mit Sus. nach Buckow fahren, aber sehr früh zurück sein. Am 16. muß ich, nach einem anstrengenden Tage, törichterweise im Lyceumklub reden. Bis zum 21.XII ist überhaupt alles besetzt. Hermine Kl. schreibt, daß ihre Mutter gestorben ist. Ein seltsames Zusammentreffen will, daß ich ihr in den Tagen gerade 30 M geschickt hatte.
Erika war (endlich) Montag Abend einmal bei mir. Ich hatte wieder die reinste Freunde an ihr.
Ob 2. oder 3. Feiertag, schreibe ich noch. Ich plane, in Frkft. 2 Stunden mit Frau Biermann zusammenzutreffen, obwohl ich dann sehr früh aufstehen muß.
Viel innige Grüße Dein Eduard.

[li. Rand] Seitz schrieb aus Frkft. <korrigiertes unleserliches Wort>. Seine Frau ist dort in neuer Behandlung.