Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. April 1931 (Berlin, Postkarte)


23.IV.31.  M. L! Für Deine 3 lieben Briefe von der Reichenau danke ich Dir herzlich. Ich habe an Deinem Leben dort in der Stille teilgenommen. Nun hoffe ich, daß Du nicht nur gut heimgekehrt, sondern auch ein wenig repariert bist. Ich kann heut keinen Brief schreiben, weil ich 26 Aufnahmearbeiten für das Seminar durchgesehen habe, mindestens noch 10 weitere für heut erwarte u. außerdem 12 Fleißprüfungsarbeiten erledigen muß, ehe ich am Sonnabend-Sonntag nach Hotel Wilhelmshöhe fahre. Am letzten Sonntag habe ich Bernhard besucht
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| dem es Gottlob recht gut ging. Es scheint nichts zurückgeblieben. Nachher ging ich mit Erika an den Seen nach Woltersdorfer Schleuse. Es hatte am Vormittag geschüttet (so daß es in m. Zimmer durchregnete.) Gestern habe ich im vollbesetzten alten Auditorium m. Vorlesung begonnen u. hoffe auf Fortdauer dieser geordneten Verhältnisse. Am Montag Abend bis ¼ 1 war Nicolai Hartmann bei mir, ein schwerflüssiges Temperament. Die Umgestaltung des Modderhaufens habe ich in Auftrag gegeben. Sie kostet mehr als 600 M, aber das muß noch sein. Mein Befinden läßt zu wünschen übrig. Die Erscheinungen besonderer Art, die mich Anfang Januar beunruhigten, sind wieder da. Ich bin sehr schnell ermüdet u. kann abends nur noch sehr wenig tun. Da beginne ich jetzt den neuen Roman von Frank Thiess, den er mir geschenkt hat. Objektiv ist natürlich inzwischen schon ungeheuer viel erledigt worden. Soll ich Frommherzens auch dies Jahr etwas schenken und was? Ein Damespiel? Frl. Geppert schrieb heut aus Partenkirchen. Ich habe für dienstl. Zwecke 150 M für Bücher ausgeben müssen. - Frau Rohde ist in Sorge wegen etwaiger Operation ihrer Schwester in Insterburg u. muß ev. hinfahren. Sonst nicht viel Neues. Wie geht es dem Vorstand u. Lena? Sei herzlichst gegrüßt von Deinem <li. Rand> Eduard. [] Da die 1 Vorlesung ausfällt, kann ich ein ruhiges Leben führen. Aber <re. Rand> noch kein Frühling.