Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. Mai 1931 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem-Dorf
Fabeckstr. 13>
10. Mai 31.
Mein innig Geliebtes!
Das ist ja ein schöner neuer Schreck! Mir um so beunruhigender, als Dein Hals doch ohnehin pars minoris resistentiae, so daß Dir die Anfälle viel Not machen werden. Und dauert das nun wirklich erbarmungslos 6 Wochen? Kann man etwas Besonderes tun? - Hoffentlich ist dem Kind bei dem unbegreiflichen Verhalten des Vorstands nichts passiert! - Aus aller Sympathie habe ich seit letztem Montag eine Erkältung (Schnupfen mit Bronchialhusten), gegen die die Reichenausache eine Kleinigkeit war. Überhaupt bin ich seitdem wohl noch nicht wieder so ganz normal geworden. Da ist irgendwo u. irgendwie noch etwas anderes. Die Arbeiten gehen infolgedessen sehr langsam, obwohl ich sie nie ganz aussetze. Der Akademievortrag hat bei schwach besetztem Hause wieder ein außerordentliches Interesse gefunden.
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| Der Buchhändler Maaß, dem ich 2000 M geliehen hatte, hat Konkurs gemacht. Nachträglich höre ich, daß er auch trinken soll. Ich komme immer an die Verkehrten. Gestern habe ich Frau v. Glasenapp in Potsdam zur Kondolenz besucht. Frau Seitz soll es tatsächlich besser gehen; sie wohnen jetzt im neuen Heim in Baden-Baden. Auch Nieschling sah ich kurz. Daß es Kerschensteiner so viel besser geht, schrieb ich wohl schon. Auch bei Frau W. leichte Besserung. - In m. Garten sieht es aus wie im Rheinbruch. Der Modderhaufen wird gemacht; es dauert entsetzlich lange.
Bernhard Runge ist in Baumschulenweg.
In der Sache Hermine Kleiser habe ich bisher nichts getan. Auch für Frommherzens habe ich noch nichts geschickt. (Es wird ein Servitut.) In dieser Woche ist hier ein Kursus, der allerhand alte Freunde zu Besuch bringt. Aber auch sie hat nur 6 Tage. Morgen Extravortrag.
Über die Krypta habe ich mich gefreut. Herzlichsten Dank. Das Bild von Hamacher ist fertig u. sehr ähnlich. Morgen fängt Tacke wieder an nachzupinseln. - Nur diese Zeilen, von denen die ersten die wichtigsten sind. Ich bitte um Bulletins u. wünsche, daß es leicht <li. Rand> ausfalle. Es ist gut, daß Gans wieder anfängt zu arbeiten. Innigst Dein Eduard.