Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Juni 1931 (Berlin/Dahlem, Postkarte)


Dahlem, 27.6.31.  M. L. Das erste, was ich heut tue, soll ein Gruß an Dich sein. Ich habe ja endlos lange nicht geschrieben. Grund war u. a. eine Fülle von Kümmernissen und Ärger, die sich nur in stundenlangem Briefschreiben hätten erledigen lassen. Und ich mußte (kläglich zerstückt) die Akademieabhandlung fertig machen, neben zahllosen Prüfungen u. a. Soeben haben wir das reiche Packet ausgepackt. Das Schönste sind doch immer die Bilder v. d. Reichenau, zumal in Tagen, wo man sich nach innerem u. äußerem Frieden sehnt. Alles andre, besonders das Teesieb, sind sehr
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| willkommen. Dein Bild erweckt leider nicht den Eindruck, daß es Dir berühmt geht. Das trübt die Freude dieser Sendung. - D. hat gegen G.s Hab. gestimmt. Damit ist die Sache so gut wie aussichtslos. Man darf nichts sagen, Du also auch nicht. Aber Du könntest ihm mit einem freundlichen Wort von mir über sein Ms. dringend die Warnung aussprechen, seinen Wohnsitz nach Berlin zu verlegen. Das ist zulässig u. deutlich. Frau Biermann schreibt, er habe inzwischen eine Gehirnlähmung (!?) gehabt u. liege in der Psych. Klinik. Meine ältere Kousine u. Knauer haben Venenentzündung gehabt. Ernst Körner - wie viele traurige Geburtstagsbriefe in dem Stoß, den schon zu lesen viele Stunden kostet. Für Tietjens wurde eine größere Hilfsaktion nötig. Überhaupt, dieses Thema! - Am 15.VI war ich der einzige, der überhaupt etwas Auskunft geben konnte. Leider kam Hr. v. Seeckt erst am Schluß meiner Diskussionsrede. Montag höre ich am gleichen Ort Treviranus über die Notverordnung. - Frau Witting geht es erträglich. Ihre Erdbeeren kamen zermatscht an u. ergossen sich prophetisch über "Das rote Rußland." Mainz habe ich gestern abgesagt. Gesundheitlich geht es mir seit einigen Tagen besser, d. h. in Bezug auf Hebung der funktionellen Störungen. Ich hoffe mal wieder "richtig" schreiben zu können; aber jetzt sind so viele eilige Dissertationen, mehr als je. <li. Rand> Eben (9 Uhr) war Frl. Rauhut da als erste. Vielen innigen Dank, die treuesten <Kopf> Wünsche u. Grüße Dein Eduard.