Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Juli 1931 (Berlin/Akademie, Postkarte)


23.7.31.  M. L! Heut habe ich eine sehr betrübende Nachricht erhalten: der alte Herr Dr. Zollinger ist ganz plötzlich (anscheinend in einem Kurort) gestorben - eingeschlafen. Er war in Frankfurt noch so heiter, in Winkel spazierten wir im Garten und in Hochheim tranken wir Wein auf einer Bank sitzend u. er schenkte mir ein Goethebildchen nach dem anderen. Bitte schreibe an Prof. Max Zollinger, Zürich 7, Kempterstr. 7. - - Das Semester nähert sich dem Ende. Mein Haus ist noch voll. Letzten Sonnabend war wieder Studentengesellschaft. Sonntag waren die 3 Morgners hier, nachm. war
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| ich mit W. Böhm zusammen. Alle Bekannten sind bei der Danatbank natürlich, auch er. - Gestern gab es wieder einen großen Schreck. Obwohl ich längst nicht an der Reihe bin u. legal nur Lüders u. Schumacher rivalisierten, erhielt ich bei der Rektorwahl wieder 22 Stimmen u. kam so mit in den 2. Wahlgang. -
Mittagspause. Danach Röschen Wingeleit.
Mit m. Reise (wenn überhaupt Geld) wird es nun anders werden. Ich habe am 10. Aug. wieder Sitzung auf Wilhelmshöhe - muß mich also am 8. u. 9. in der Nähe von Kassel herumtreiben. Was kommt bis dahin noch?
Susanne ist bereits zurück. War kaum 12 Tage in Pontresina. Kerschensteiner hat 4 Seiten geschrieben, immer ziemlich pessimistisch. Von m. Schriften ist eine in Urdu (indisch-arabisch) eine andere i spanischer Übersetzung erschienen.
Mit Bezug auf Deine wiederholte Frage: nichts ist so sicher wie eine Privatwohnung.
Ich bin als Vertreter der Berliner Ordinarien in den Deutschen Hochschulverband gewählt. Eine Beschäftigung u. eine Gelegenheit zu reisen mehr. Ich schreibe in der Akademie; aber weil einer vorträgt habe ich gar keine rechte Sammlung. Herzliche Grüße
Dein Eduard.

[] Gruß an den Vorstand!