Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 15. August 1931 (Schönwald/Hotel Sommerberg)


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<li. Ecke: getrocknete Blume oder Zweig aufgeklebt>
Schönwald, Hotel Sommerberg,
den 15. August 31.
Mein innig Geliebtes!
Gestern hatte ich eine Todesangst, daß es sich hier vielleicht um ein rein jüdisches Haus handeln könnte. Es sind aber doch 1/3 Christen da, und die übrigen 2/3 verhalten sich bis jetzt sehr ruhig und bescheiden, reisen bei dem Wetter wahrscheinlich auch z. T. bald ab. Das ganze Haus ist in keiner Weise so, daß man es wählen würde, wenn man es vorher gesehen hätte. Alles sitzt sehr aufeinander, die Einrichtung ist primitiv, und die Aussicht von meinem Fenster kann ich Dir genau herzeichnen
<Skizze: Blick aus Fenster>
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Man gibt sich aber sehr viel Mühe, die Bedienung ist freundlich, und ich kann, nachdem ich 9 Tage auf die Anreise verwandt habe, nicht noch weiter suchen, zumal die Landschaft recht schön zu sein scheint. In der Nähe habe ich auch nichts Besseres gesehen. Wenn wir zusammen sind, werden wir es schon 12 Tage aushalten. Also bitte ich Dich, am Montag früh hierher abzureisen. Ich habe bisher zwar nur die Mitteilung, daß Gäste abreisen, für die kein Ersatz. Offiziell gefragt habe ich noch nicht, weil ich mal erst im Ort noch nachsehen will, ob da vielleicht ein hübsches Privatzimmer zu haben wäre (wonach es nicht aussieht.) Im Notfall müßtest Du in Triberg 1-2 Tage warten.
Ab Heidelberg mit Dzug 8.52 bis Offenburg, an ca 11.3. Dort aussteigen, stehen bleiben, bis hinter dem Dzug, der Personenzug nach Triberg [über der Zeile] (ab 11.33.) einläuft. Dieser besteht aus 2 Teilen; der hintere Teil geht über den Schwarzwald; also dort gleich einsteigen, ehe der Zug auf das andere Gleis rangiert wird. Billet Personenzug bis Triberg + Dzugzuschlag 2 M (bis Offenburg.) <re. Rand> An Triberg 13.13. Dort hole ich Dich ab, falls ich nicht bis Montag 11 Uhr Telegramm habe, daß Du nicht abgefahren bist. Also gute Reise u. auf Wiedersehen! Dein Eduard.
[re. Rand rechts] Hrzl. Grüße an unsre Freundin.