Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. September 1931 (Berlin/Dahlem)


[1]
|
<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>
5.IX.31.
Mein innig Geliebtes!
Von Deinen Wünschen und Gaben geleitet, bin ich glücklich hier angekommen. Das Beethovenlied scheint mir von der Hand der lieben Tante geschrieben? Ich werde es morgen in stiller Stunde auf dem Klavier versuchen. Dein Segenswunsch hat bis jetzt Erhörung gefunden. Die Fahrt in dem dauernden Unwetter hatte etwas seltsam Erregendes. Vor Würzburg blieben wir eine halbe Stunde liegen; anscheinend war eine Brücke kaputt. So kam ich - überraschender Weise über Leipzig - mit 40 Minuten Verspätung in Berlin an. Unterwegs goß es so, daß das Wasser im Wagen stand. Von Heidelberg bis Berlin war ich der einzige im Abteil. Hier stürmt und regnet es weiter. In der Fabeckstraße am Feld steht die ganze Fahrstraße ca 15 cm hoch unter Wasser. Und im Schwarzwald
[2]
| - soll es schneien. Meine Pappel wird fast zu Boden gedrückt vom Sturm.
Ich habe fast den ganzen Tag gearbeitet. Ein Stoß von Briefen ging hinaus. Die Korrekturen des "Sokrates" sind schon erledigt, und eben habe ich den Goetheaufsatz in die endgiltige Form gebracht. Morgen will ich zu Hegel zurückkehren. Den Griechenlandplan halte ich um so mehr aufrecht, als das Kolleghonorar ca 600 M (ohne Steuerabzug) mehr erbracht hat, als ich hoffte. Allerdings sind immer 30 % Steuern zu zahlen, und alle Einkünfte sind Schein, zu schweigen von den notorisch 10.000 M Vermögensverlust in diesem Jahr. Frl. Kiehm redet auch zu, und die evangelische Gemeinde der Deutschen Gesellschaft in Athen begrüßt mich durch meine früheren Hörer schon sehr freundlich. Wir müssen ja wohl über Deutschland hinaus denken.
Im Hause wenig Stimmung. Herr Strasen wegen "Nerven" 14 Tage beurlaubt. Renate vergnügt und Dir dankbar. Sonst im Augenblick nichts zu berichten. In tiefer <li. Rand> Dankbarkeit für die gemeinsamen Tage, denen eine innere Sonne strahlte, Dein Eduard.