Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. Oktober 1931 (Venedig, Ansichtskarte)


Venedig, den 7. Oktober 1931.   M. L!
Gestern Fahrt Innsbruck-Brenner bei Sonne. Landschaftlich nicht aufregend. In Bozen schon Dämmerung. Im Dunkel durch Levico. Stärkster Natureindruck bisher die Ankunft: 25 Minuten Gondelfahrt nach Mitternacht durch Seitenkanäle, die Stadt ganz still; nur selten huschte einer über die Brücke. - Heut zunächst ratlos vor Fülle. Dann begonnen mit Markuskirche u. Dogenpalast, alte Gassen planlos. Tauben v. S. Marco gefüttert. Nachm. 2 Stunden Gondelfahrt, zu Hauptkirchen. Viele Tizians, Tintorettos, Veroneses gesehen. Nicht zu bewältigen. Soeben noch Konzert u. abendliches Leben auf dem Markusplatz. Nun aber müde. Leider Schnupfen in Entwicklung. Himmel ganz klar. Für morgen venti deboli, mare calmo. - Kulturgeschichte lernt man hier in 1 Tag mehr als zu Hause in 1 Jahr. Inniges Gedenken. Hzl. Gruß an den Vorstand. Dein Eduard.
[li. Rand] 8.9. Heut neblig oktoberhaft. Recht erkältet.