Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Dezember 1931 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>
27.12.31.
Mein innig Geliebtes!
Dein Barometer - seit Eintreffen sehr tief stehend - erfüllt mir einen Wunsch und ist sehr willkommen. Leider aber steht nach Deinem soeben eingetroffenen Brief auch mein Stimmungsbarometer recht tief. Du kannst Dir denken, wie mich dieser neue Anfall betrübt, zumal er aufs neue beweist, daß Du irgend etwas Schädliches im Blut hast - das wir doch schon 1931 durch eine aufmerksame Untersuchung und Behandlung herausbringen wollten.
Praktisch möchte ich dazu vor allem sagen: es wäre sehr gegen meinen Sinn, wenn Du leichtfertig eine Winterreise unternähmst. Die Frühjahrsfahrt nach der Reichenau war gründlich falsch und in keiner Weise zu verantworten.
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| Ich möchte unter keinen Umständen, daß sich das wiederholt. Die beiderseitige Freude könnte dann nur eine Scheinfreude sein. Bitte also prüfe Dich genau und schicke mir ein Telegramm, wenn Du es für richtig hältst, Dich den immerhin unbestimmten Temperaturverhältnissen einer Reise zu dieser Jahreszeit nicht auszusetzen.
Sonst habe ich Koburg als Aufenthalt ins Auge gefaßt. Ich kenne zwar das Hotel nicht selbst, und das ist ein schwerwiegendes Moment unter dem eben erwähnten Gesichtspunkt. Du müßtest mit dem Zug via Würzburg, mit dem ich sonst fahre, bis Grimmenthal fahren (ohne Umsteigen.) Früher ging er über Meiningen, jetzt - so viel ich weiß - nicht mehr. In Grimmenthal läßt Du Dir vom Schaffner das Gepäck heraussetzen u. wartest, bis ein Beamter kommt, der Dir die Sachen an den (gleich anschließenden) Zug nach Lichtenfels bringt. Ich habe hier keinen neuen Fahrplan. Du bist ungefähr um 5 in Coburg, ich 6.37. Am besten gehst Du gleich ins Bahnhofshôtel und suchst 2 gute, gut geheizte und möglichst <re. Rand> hübsch gelegene Zimmer aus, mit dem Bemerken, wir blieben eine Woche, wenn alles gefiele. Hoffentlich auf Wiedersehen dort am 29. abends. Andernfalls schreibe ich von K. mehr, u. wir sehen uns, wenn es Dir besser geht. Gute Besserung <li. Rand> und herzliche Grüße auch an den Vorstand. Hier nichts von Belang.
Innigst Dein Eduard