Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 31. März 1931 (Heidelberg)


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Heidelberg. 31.III.31
Mein Liebstes,
mit schwerem Herzen entschließe ich mich, nun doch noch einen Tag später zu fahren. Temperatur und Puls sind noch immer nicht normal und ich möchte Dir keinesfalls dort etwa Späne machen u. einen Rückfall kriegen. Jetzt wäre ich nun doch wahrhaftig froh, wenn ich die kleine Holl da bei Dir wüßte. Aber wer konnte ein solches Mißgeschick ahnen?
Es wird also Donnerstag, bis ich kommen kann. Und zwar plane ich diesmal gleich mit dem Schnellzug bis Konstanz durchzufahren und von dort mit dem Postauto. Ich bekomme dort einen Packträger, was in Radolfzell zweifelhaft ist, und das Übersetzen im offenen Schiffchen möchte ich nicht gleich am ersten Tag riskieren. Der Personenzug aber erreicht das Auto nicht. Es wird wohl ein paar Mark mehr kosten, aber es ist doch besser.
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| Katarrh habe ich garkeinen, bin auch bisher trotz schwacher Ernährung nicht sehr elend, also hoffe ich, Dir weiterhin keine Hindernisse zu bereiten,wenn ich erst glücklich dort bin.
Wie aufregend ist die Zeitung! Nein, diese Verlogenheit der französischen Politik! Was wird sich entwickeln?? Da ist so viel, worüber ich Dich sprechen möchte.
Grüße Familie Frommherz.
Du weißt, wie schwer mir dieser Aufschub wird, aber was tut man nicht aus "Vernunft".
Innige Grüße und nun "auf Wiedersehen!"
Deine
Käthe.