Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 5. August 1931 (Heidelberg)


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Heidelberg. 5. August 1931.
Mein Liebstes,
das wird heut nur eine kurze Nachricht, denn es eilt, wenn ich Dich in Marburg erreichen will. Über Schönwald habe ich im Verkehrsamt nachgefragt und leider nur diesen einen Prospekt bekommen. Danach liegt es wohl ziemlich sonnig, aber bei der Höhe ist sicher die Luft doch gut. - Was die Schwalben angeht, so hatte Adele Henning mir gerade vor einigen Tagen auseinandergesetzt - Du weißt, mit welchem Umstand! - daß es zwei Sorten gäbe, von denen die eine bereits im August fortgeht. Also das wäre kein Grund zur Besorgnis.
Ich ersehne den 11., an dem ich hoffe, Dich hier begrüßen zu dürfen. Denn hoffentlich werden die mancherlei Besorgnisse überflüssig sein. Ohne Grund sind sie nicht. Aber ich hoffe mit Dir, daß uns ein Beisammensein möglich sein werde! Es ist so abscheulich, daß das Neckartal dazu so ungeeignet ist, denn am liebsten würde ich Dich hier im gemütlich Heim versorgen und verpflegen. - Diese Woche war sehr unruhig. Die freundschaftlichen Besuche kamen leider gleichzeitig, aber zum Glück vertrugen sie sich mit einander und es ließ sich auch mit beiden ein gesondertes Unternehmen einrichten.- Jetzt ist Trude Döllken mit Tochter in - Hirschhorn und wollte, daß wir [über der Zeile] heute hinkommen. Es ist uns aber zu heiß und ich werde statt dessen mit Bertha von A. auf den Königsstuhl in Waldes
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|kühle gehen. - Der Vorstand, der wie öfter Grüße an Dich aufträgt, die ich leider immer unterschlage, ist von der Hitze ebenso mitgenommen wie ich. Wir bleiben am liebsten zu Hause. - Wegen des Allgäus wissen wir nichts und ich meine auch, das ist immer umständlich zu erreichen. Hochebene ist nicht ratsam und die Täler weit.
Alles andre - mein Liebstes - hoffe ich mündlich mit Dir verhandeln zu können. - Und mit dem 9.? Ist die heutige Regierung haltbar? Ist es ratsam, sie noch einmal zu stürzen? Ist es nicht besser, wenn notwendig, zur Entscheidung zu drängen?
Ich denke Dein zu jeder Stunde. Möchten es nicht zu anstrengende Tage für Dich weden und Du wenigstens gleich den einen Ruhetag wirksam ausnützen können. Grüße mir das liebe Kassel und sei Du selbst innig gegrüßt von
Deiner
Käthe