Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. August 1931 (Heidelberg)


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Heidelberg. 9. August 1931.
Mein Liebstes,
als wir heute morgen im Begriff waren, zu dem Auto nach Wilhelmsfeld zu gehen, kam Deine liebe Karte, die ich erst unterwegs lesen konnte. So ist die Anfrage nach Schönwald erst zwischen 7 u. 8 Uhr abends in den Kasten gekommen. "Wir" (heißt der Vorstand, Bertha v. A. und ich) sind wie gewöhnlich auf die Höhe gefahren, haben oben teils gesessen, teils gewandert, aßen auf dem jetzt sehr guten Schriesheimer Hof sehr gute Pfannkuchen mit je ¼ Wein! und trennten uns dann, indem der Vorstand zurück fuhr und wir andern durch das Schriesheimer Tal zur Strahlenburg gingen. Dort gabs herrliche Aussicht und guten Kaffee. - Den ganzen Tag waren meine sorgenden Gedanken bei den Vorgängen in Preußen und ich warte mit Ungeduld auf eine Nachricht. Wenn Adele Henning nicht den Rundfunk abgeschafft hätte, würde ich zu ihr gehen, um zu hören. Vielleicht wird in der Hauptstraße ein Telegramm ausgehängt. Ich werde nachsehen, wenn ich diesen Zettel wegtrage.
Daß Du Heidelberg absolut schneiden willst, betrübt mich. Ich hatte so drauf gehofft, daß Du wenigstens doch bis zum nächsten Morgen bleiben würdest. Irgendwie aber hoffe ich sehr, Dich doch sehen zu können. Vielleicht sind unsre Besorgnisse, daß eine Reise unmöglich wird, umsonst.
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| Eigentlich habe ich keine Vorstellung, wie es zu Unruhen kommen könnte, da ja die Kommunisten diesmal mit dabei sind? Aber vielleicht - wenn die nötigen Stimmen erreicht werden sollten?
- Hier war der Sonntag wie sonst. Ich weiß nicht, ob ich mich darin täusche, aber mir scheint doch bei allem eine gehaltenere Fröhlichkeit. Man geht ins Freie, trinkt auch mal ein Glas, aber man sieht, daß es bescheiden bleibt. Die Lokale klagen auch alle und gehen in den Preisen zurück. Von Frau Frommherz hatte ich einen förmlich wehleidigen Brief. Und der silberne Hirsch soll bankrott sein!
Hoffentlich ist der Aufenthalt in Wilh. Höh nicht so anstrengend, und auch etwas Naturgenuß dabei! Wenn die Witterung dort ebenso umschlug wie hier, dann wirst Du es richtig kühl finden.
Also ich komme am Dienstag 16.28 an den Zug, um Dich wenigstens zu begrüßen, und Deine weiteren Pläne zu hören. Hoffentlich klappt alles - das wünsche ich nicht nur um meinetwillen, sondern im allgemeinen Interesse. Vor allem aber hoffe ich für Dich auf eine ungestörte Erholung.
Mit den herzlichsten Grüßen
Deine
Käthe.