Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. Januar 1932 (München, Postkarte)


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München, den 18.I.32.
M. L!   Das lange Gefürchtete ist eingetreten, und in dem Augenblick, in dem ich schreibe, ist auch alles äußere Schwere, das damit verbunden ist - vorbei. Ich bin gestern früh mit dem FD hierher gefahren und habe Frau K. abends noch besuchen können. Die Trauerfeier fand heut um 11 im Krematorium statt, in Gegenwart unzähliger Menschen; die Reden dauerten fast 1 ½ Stunden. Soeben komme ich aus der Möhlstr. zurück, wo ich mit Frau und Söhnen noch einmal in dem lieben Arbeitszimmer weilte. - Gesprochen habe ich heut nicht; falls ich dazu aufgefordert sein sollte, läge der Brief in Berlin. Ich bin allen aus dem Wege gegangen, habe nur Wallner begrüßt u. Merck (Harburg) kurz gesprochen. Der kurze Nachruf, den ich heut unter ungünstigen Umständen im Hôtel schreiben mußte, befriedigt mich natürlich nicht. Aber ich bin sehr müde u. nervös. In 1 ½ Stunden fahre ich mit dem
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| Nachtzuge nach Berlin, um morgen früh zu lesen und nachm. Staatsprüfungen nachzuholen. Am nächsten Sonnabend - Sonntag muß ich ja schon wieder fort, und dann folgt ein Vortrag nach dem anderen. (25.I. Rundfunk - auf Wunsch d. Reichskanzlers.) - Dein lieber Brief erreichte mich noch in Berlin. Der V.B. enthält nichts, was nicht in m. Zeitungen genau so gestanden hätte. Stattdessen liegen in Braunschweig Universitätsakte vor, <li. Rand> die den bisherigen Stil bei weitem in den Schatten stellen. Und so wird es weitergehen. - Herzlichst Dein
Eduard.