Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. März 1932 (München, Postkarte)


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München, Sonntag, 6.III.32
M. L!   Freitag Abend ½ 11 empfing mich hier Dein lieber Brief, leider immer noch mit der Nachricht von dem "sog." Hexenschuß. Wann kommt die ernsthafte Behandlung? Ich bin hier auch, was subjektives Befinden angeht, krank angekommen. Seit 16 Tagen habe ich jetzt nicht nur Schnupfen, sondern wieder den hartnäckigen Bronchialkatarrh, der mich wegen des Fiebergefühles u. der starken Schl.produktion beunruhigt. Aber Morgenmessung immer 36,6. Also Nervenzustand, aber so, daß ich gestern früh dachte, ich müßte beide Reden aufgeben, u. daß mir bei Frau K. beinahe schwach wurde. Als ich dann 8.15 im mäßig besetzten Aud. max. der Universität begann, war ich zwar müde. Es geriet aber nicht ein Satz daneben u. es war einer der wundervollsten Vorträge, die ich je gehalten. Nachher im Privathause jener dränglichen Frau v. Mittenwald (die unerhörter Weise nur die Hälfte d. vereinbarten Honorars zahlt, d. h. 100 M während m. Unkosten 156 betragen) überflüssige Diskussion. Dingler, Litt jr. u. andre dabei, auch Lotte Geppert, Gräfin d'Haussonville etc. Die heutige Gedenkrede hast
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| Du vielleicht gehört. Das Künstlerhaus überbesetzt. Im Lenbachzimmer herrliche Bilder von ihm. Ihr wurde ich vorgestellt. Ebenso Oscar v. Miller. Mindestens 25 Kerschensteiners. Meine Rede hätte noch mehr Durchfeilung vertragen. Aber ich war gerade noch vor der Reise mit allem fertig geworden. Ausgegangen war ich tagelang nur zum Dienst. Hier ist es mild, u. es geht ein wenig besser, so daß ich morgen via Reisinger - Unterschondorf fahren kann. Jetzt will ich zu Aloys Fischer. Vielleicht kommt abends noch Lotte G. Nur Ruhe <li. Rand> kommt nie. Sei vorsichtig beim Umzug. Herzliche Grüße auch an Frl. Knaps
<re. Rand>
Dein Eduard.