Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. März 1932 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>
25.III.32.
Mein innig Geliebtes!
Deinen 2. lieben Brief habe ich in Weimar gerade noch am Bahnhof erhalten. Herzlichen Dank! Eigentlich müßte ich mich hier gleich auf meine unendliche Arbeit stürzen. Aber einen kurzen Ostergruß will ich Dir vorher doch noch senden.
In Weimar war es "lohnend". Ich habe einige Veranstaltungen in der 2. und 3. Linie miterlebt, in die ich sofort rücke, wenn etwas unter den Auspizien der gegenwärtigen Regierungen stattfindet. Eine mäßige Egmontaufführung, eine gute Tassoaufführung, die bedeutende Rede von Petersen, nicht natürlich die Kranzniederlegung. Im Elefanten hing mir die gute Frau Prof. Hildebrandt wie eine Klette am Rüssel. Kirmß habe ich zweimal besucht; auch beim 2. Mal traf ich nur sie. Am Mittwoch gab die Goethegesellschaft ein Frühstück für Dichter und Professoren. Ich saß zwischen
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| Börries von Münchhausen und Carossa, mir gegenüber Kolbenheyer. Das war recht hübsch. Auch mit Binding habe ich paar inhaltreichere Worte gewechselt. Thomas Mann schwänzte uns wie ich ihn.
Hier begann der Tag mit Frau Rohdes Geburtstag und mit einer Unterredung mit Herrn Strasen. Der Mann wäre Prügel wert, wenn er nicht alles täte, die Sache einzurenken. Er sieht selbst ein, daß er mit seinen 136 M in den Keller zurückkehren würde, aus dem er gekommen ist. Ich habe ihm geraten, in Ruhe mit Frau Rohde zu sprechen, ob beide in angemessenen Formen bleiben wollen. Bei Frau R. wird doch bald die Notwendigkeit der Pensionierung eintreten. Aber sie allein kann ich nicht in unbestimmte Verhältnisse hinausschicken. Wollen sehen, was daraus wird.
Susanne ist in Memel, wo es sehr beunruhigend aussieht. Ich hoffe, stille Festtage zu haben, muß 2 Bogen für den Druck schreiben, die ich schon im August
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| hätte abliefern sollen. Morgen kommt der Hunsrückdichter Bauer. Vielleicht fahren wir nach Potsdam. Von Frühling hier wie in Weimar noch keine Spur.
Ich hoffe sehr, daß in den 3 Eichen nahrhaft gekocht wird. Auf die Dauer kommt man mit dem Wirtshausessen herunter. Du wirst das ja aufmerksam beobachten. Im Druck zu leben, ist kein schlechtes Symbol für die Gegenwart. Aber ich wünschte doch, daß das zu Ostern ein Ende nähme.
Jetzt muß ich an die Arbeit. Ich grüße Dich herzlichst in stetem treuem Gedenken.
Dein
Eduard.