Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. März 1932 (Ravensburg, Karte)


Ravensburg, 15.IV.32. Mein innig Geliebtes.
Obwohl es hier nicht eigentlich anstrengend ist, geht doch die Gebundenheit an die Menschen von ½ 8 früh bis 11 nachts. Ich schreibe am Abend vor der Abreise in dem Hôtel, ja in dem gleichen Zimmer, in dem ich bei unsrem gemeinsamen Aufenthalt hier wohnte u. denke Dein. In Aschaffenburg war das grauenhafteste Wetter, aber die beiden Vorträge (in kl. Kreise und dann vor 4 bis 500) gelangen gut. Das persönliche Zusammensein schuf Kontakt.¹) [Kopf] ¹) von 5 - ½ 1. Ich sah im Schloß herrliche mittelalterliche Handschriften und in der Stiftskirche einen Grünewald. Hier waren keine belangvollen Gegenstände zu behandeln. Aber wir 12 harmonieren sehr gut. Heut nachm. fuhren wir nach Kelheim bis oben (bei Amanns Conditorei vorbei) in 3 Autos, gingen bis Weltenburg (entzückend zahmer Kanarienvogel in der Gaststube). In Weltenburg holten uns die Autos ab - wir fuhren den bewußten Weg. - Wie sollte ich Deine Parteiwahl nicht verstehen. Ich kann es nicht mit ganzem Herzen, aber die DNV wähle ich auch nur faute de mieux. Und wer könnte ganz Partei sein? Nur wünschte ich Dich ganz gesund. Wie kann man so alles <li. Rand> annehmen. Morgen Rückkehr mit Franke u. Solger. Dann beginnt der Sturm. Erkennst Du diese Ornamente an der Schottenkirche?
<re. Rand> Viel innige Grüße Dein Eduard.