Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 8. Mai 1932 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Eduard Spranger
Berlin-Dahlem=Dorf
Fabeckstr. 13>
8. Mai 32.
Mein innig Geliebtes!
Hoffentlich bist Du wieder ganz auf dem Posten. Das Wetter allerdings dürfte Deine Genesung nicht sehr unterstützt haben, wenn es in Heidelberg so ist wie im hiesigen Grönland. Ich habe mir denn auch vorgestern wieder einen riesigen Schnupfen geholt, weil man es unterlassen hatte zu heizen. Das muß nämlich extra bestellt werden, und da ich sehr wenig zu Hause bin, so kann ich es manchmal nicht rechtzeitig anmelden. Auch sonst bin ich mit Nervenschmerzen reichlich gesegnet.
Schon längst hätte ich Dir wegen Weimar schreiben sollen. Ich möchte Dir einen anderen Vorschlag machen. Von Weimar hätten wir zusammen nämlich garnichts. Ich fahre frühestens am Donnerstag Mittag hin; Freitag u. Sonnabend ist jede Stunde besetzt, so daß ich schon
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| Gräfin Bose schreiben mußte, mit einem Zusammensein bei ihr sei es nichts. Und am Sonntag geht es wieder nach Berlin, vermutlich schon am Vormittag. Da meine Rede noch nicht begonnen ist, hängt alles von den Pfingsttagen ab. Selbst wenn sie da fertig wird und nicht erst in Weimar selbst, werde ich sehr zerstreut sein.
Mein Gegenvorschlag: ich bitte Dich zu meinem 50. Geburtstag nach Berlin zu kommen, etwa am 24. abends und so lange zu bleiben, bis ich nach Koburg muß ca. 4.7. Wenn Du mit dem Stübchen oben vorlieb nimmst, so ist die Wohnungsfrage gelöst. Allerdings müßtest Du wohl selbst Zimmermädchen spielen. Denn mit Frau R. sieht es wacklig aus, und sie hat wiederholt den Wunsch geäußert, "zurücktreten" zu können. Leider wirst Du auch bei dieser Gelegenheit eine Goetherede hören können: am 28.VI. abends in der Neuen Aula. Die vom 21.V. [über der Zeile] vorm. wird vielleicht durch den Thüringischen Sender übertragen.
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Sonst hier nicht viel Neues: Susanne hat einen grippeähnlichen Zustand, will aber doch am 11. Mai mit ihren Schwestern zum 80. Geburtstag ihres Vaters in Memel sein. - Am Hause haben eine Woche lang 4 Maler gearbeitet und ein Zaun gegen das heidenlärmende Christenhaus links ist gezogen worden. Adalbert war einen Abend hier und gestern Elisabeth geb. Lüpke mit Gisela. Du weißt, daß sie ihren Mann verloren hat.
In der kommenden Woche müssen ca 12 Stunden Prüfung extra untergebracht werden. Zu Pfingsten wird gearbeitet; am 3. Feiertag aber soll ein Tagesausflug stattfinden.
Kolbenheyer sprach einen Abend in der Neuen Aula - wo ich ihn auch begrüßte - und am Mittwoch war ich bei einer Premiere, einem üblen Schmarren.
Es ist sehr unnötig, daß die 3 Stolper Mädchen studieren, und Du wirst gut tun, ihnen dies noch im 1. Semester auszureden. Es ist absolut an keiner Stelle bedarf. Das Studium nicht hervorragend begabter Frauen z. Z. ist nur "Unsitte."
Karoline Lang schreibt aus Überlingen.
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| Das würde mich sehnsüchtig stimmen, wenn dieser Frühling nicht so vermerschelt wäre.
Ich zähle die Tage bis zum 5. August, wo 2 freie Monate beginnen sollen. Der ganze Oktober ist schon besetzt.
Vor Weimar werde ich kaum noch ausführlicher schreiben können. Deshalb sende ich schon heut die innigsten Festgrüße. Ich hoffe, daß Du Pfingsten in Gesundheit verlebst und etwas hinausfahren kannst. Auch nach Heidelberg habe ich Sehnsucht.
Mit allen guten Gedanken
Dein
Eduard.

[] Die spärlich zwischengeschobene Goethelektüre ist doch immer Feierstunde.
[] Frau Lenz fragte nach Dir.